Familienbündnis des Main-Kinzig-Kreises zeichnet Stadtverwaltung Langenselbold als „Familienfreundlichen Betrieb“ aus
Main-Kinzig-Kreis. – Die Stadtverwaltung Langenselbold ist als „Familienfreundlicher Betrieb im Main-Kinzig-Kreis“ ausgezeichnet worden. Erster Kreisbeigeordneter Andreas Hofmann überreichte das Zertifikat im Rathaus an Bürgermeister Timo Greuel, im Beisein von Alexandra Joll, Amtsleiterin für Zentrale Dienste und Personal, Grit Ciani, Leiterin des Referats für Frauenfragen und Chancengleichheit des Main-Kinzig-Kreises, und Ruth Hohage, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Hanau. Der Main-Kinzig-Kreis würdigt seit einigen Jahren familienfreundliche Unternehmen und Betriebe, da diese dazu beitragen, das Leben und Arbeiten im Main-Kinzig-Kreis attraktiver zu machen und den Wirtschaftsstandort stärken.
„Wer verstehen will, was Beschäftigte wirklich brauchen, muss sich mit ihren Lebensrealitäten auseinandersetzen. Erst daraus entstehen Arbeitsplätze, die Familie und Beruf nicht gegeneinander ausspielen, sondern zusammenbringen“, sagte Andreas Hofmann bei der Übergabe. Für ihn steht die Auszeichnung für eine Haltung, nicht für ein einzelnes Projekt. „Wir haben viel investiert, um gute Arbeitsbedingungen zu schaffen. Zukunftsfähigkeit und Wertschätzung gehören für uns untrennbar zusammen. Dass diese Arbeit heute anerkannt wird, zeigt, dass sie sich lohnt“, so Timo Greuel.
Langenselbold hat sich über Jahre hinweg bewusst auf den Weg gemacht, als Arbeitgeberin verlässlicher, flexibler und damit attraktiver zu werden. Das zeigt sich nicht in einem großen Konzept, sondern in vielen konkreten Entscheidungen, die den Arbeitsalltag verändern. Timo Greuel spricht von einem kontinuierlichen Prozess, in dem Strukturen angepasst, Spielräume genutzt und dort nachgesteuert wird, wo Beschäftigte Unterstützung brauchen.
Im Zentrum stehen Regelungen, die den Alltag erleichtern. Arbeitszeiten für Arzttermine oder Pflege werden berücksichtigt, mobiles Arbeiten ist fest etabliert und technisch abgesichert. Beschäftigte können ihre Arbeitszeit flexibel zwischen Präsenz und Homeoffice organisieren, zusätzliche Urlaubstage für Mitarbeitende mit Behinderung ab 30 Prozent (Leichtbehindertenurlaub) sind möglich, das Jobticket wird vollständig übernommen. Vieles wirkt selbstverständlich, ist es aber nicht.
Bürgermeister Timo Greuel äußerte sich auch zur oft scharf geführten Debatte über Teilzeit und flexible Modelle. „Gerade für junge Familien und für Menschen, die Angehörige pflegen, sind solche Möglichkeiten entscheidend. Arbeit muss sich an Lebensphasen orientieren.“ Gleichzeitig gehe es um Haltung. „Wer sich als Gemeinschaft versteht, schafft ein Arbeitsumfeld, das trägt.“
Die Zahlen spiegeln diesen Ansatz wider. Rund 80 Prozent der Führungspositionen in der Stadtverwaltung sind mit Frauen besetzt. Für Bürgermeister Timo Greuel und Amtsleiterin Alexandra Joll ist dies kein politisches Ziel an sich, sondern Ergebnis eines offenen Systems. „Wir gehören zu den wenigen Arbeitgebern im Kreis mit einem so hohen Anteil. Dahinter steht keine Quote, sondern eine Personalpolitik, die Chancen ermöglicht.“
Grit Ciani sieht darin den Kern der Auszeichnung. „Das Zertifikat wird nicht für Selbstverständlichkeiten vergeben. Entscheidend ist der Blick über den Tellerrand, das kleine Mehr, das zeigt, dass Arbeitgebende Verantwortung übernehmen und ein Signal senden.“ Solche Signale blieben nicht folgenlos: „Nach jeder Zertifikatsvergabe melden sich Arbeitgebende bei uns, die sich ebenfalls auf den Weg machen wollen.“
Sie beobachtet eine Verschiebung auf dem Arbeitsmarkt. Was bei großen Unternehmen lange als Standard galt, sei keine Selbstverständlichkeit mehr. „In vielen Konzernen werden Homeoffice und Benefits zurückgefahren. Öffentliche Arbeitgebende gehen den entgegengesetzten Weg und bauen ihre Angebote aus. Das macht sie für Beschäftigte interessant.“ Im Wettbewerb um Fachkräfte sei das entscheidend. „Flexible Arbeitsmodelle und verlässliche Rahmenbedingungen helfen, Personal zu gewinnen und zu halten.“
Die Digitalisierung eröffne zusätzliche Möglichkeiten, so Timo Greuel. Arbeitszeiten könnten individueller gestaltet, Abläufe neu organisiert werden. „Wir versuchen, den Bedürfnissen unserer Mitarbeitenden gerecht zu werden und machen möglich, was möglich ist. Dazu gehört auch, dass auch Väter stärker als früher Familie und Beruf miteinander vereinbaren können.“
Ruth Hohage betonte, dass Familienpolitik längst über Kinderbetreuung hinausgeht. „Vereinbarkeit bedeutet auch, Angehörige zu pflegen oder Verantwortung in anderen Lebensphasen zu übernehmen. Dafür brauchen Beschäftigte flexible Strukturen und Arbeitgeber, die das mittragen.“
Andreas Hofmann ordnete die Auszeichnung in einen größeren Zusammenhang ein. Moderne Personalpolitik stärke nicht nur einzelne Beschäftigte, sondern Organisationen. Motivation, Bindung und Identifikation entstünden dort, wo Arbeitsbedingungen zu Lebensrealitäten passen.
Quelle: Redaktion MKK Echo

