Wenn morgens die Schulglocke
läutet, beginnt für viele Kinder der aufregendste Teil des Tages. Auf dem Weg
zur Schule sind sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder als Mitfahrer unterwegs.
Gleichzeitig herrscht rund um Schulen häufig reger Verkehr. Für Kinder kann
dabei schon eine scheinbar kleine Unachtsamkeit schnell gefährlich werden.
Genau hier setzt die bundesweite Aktion “Blitz für Kids” an. Sie soll nicht
allein Temposünder aufspüren, sondern vor allem für mehr Aufmerksamkeit und
gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr sorgen. Denn gerade Kinder können
Geschwindigkeiten und Entfernungen noch nicht so sicher einschätzen wie
Erwachsene. Ein Fahrzeug, das mit wenigen Kilometern pro Stunde mehr unterwegs
ist, benötigt zudem einen längeren Bremsweg. Im entscheidenden Moment können
diese Meter darüber entscheiden, ob ein Unfall verhindert werden kann oder
nicht.
Die Polizeibeamtinnen und -beamten der Polizeistation Schlüchtern machten
deshalb am Dienstag in Steinau an der Brüder-Grimm-Schule gemeinsame Sache mit
den eigentlichen Experten vor Ort: den Schülerinnen und Schülern.
Zwei vierte Klassen durften die polizeiliche Geschwindigkeitskontrolle aus
nächster Nähe miterleben und sich aktiv daran beteiligen. Insgesamt wurden vor
Ort 130 Fahrzeuge gemessen.
Die Kinder hatten dabei eine besondere Aufgabe: Verkehrsteilnehmer, die sich an
die vorgeschriebene Geschwindigkeit hielten, erhielten eine grüne Karte – als
kleines Dankeschön und als Zeichen dafür, dass sie mit ihrem Verhalten einen
wichtigen Beitrag zur Sicherheit leisten. Insgesamt konnten 26 grüne Karten
verteilt werden.
Wer dagegen zu schnell unterwegs war, bekam eine gelbe Karte. Sie sollte nicht
als bloßes “Du, du” verstanden werden, sondern vielmehr als freundlicher Hinweis
der Kinder, nach dem Motto: Bitte denken Sie daran, dass hier Menschen unterwegs
sind, die besonderen Schutz brauchen. Insgesamt 14 gelbe Karten wurden verteilt.
Erfreulich war, dass die große Mehrheit der gemessenen Verkehrsteilnehmer die
zulässige Geschwindigkeit einhielt, was auch den Kids zeigte, dass an ihrer
Schule überwiegend verantwortungsbewusst und mit Rücksicht auf die jüngsten
Verkehrsteilnehmer gefahren wird. Lediglich zwei Verstöße mussten im Rahmen des
Verwarnverfahrens geahndet werden.
Für die Kinder war die Aktion mehr als eine gewöhnliche Unterrichtsstunde. Mit
großem Interesse beobachteten sie die Polizeiarbeit, kamen mit den Beamtinnen
und Beamten ins Gespräch und konnten selbst erleben, warum Geschwindigkeit im
Bereich einer Schule eine besondere Rolle spielt. Auch die Lehrkräfte begrüßten
die kindgerechte Möglichkeit, den Schülerinnen und Schülern Verkehrssicherheit
auf anschauliche Weise näherzubringen.
Im Anschluss verlagerten die Ordnungshüter ihre Kontrollen nach Birstein. Auf
der Lauterbacher Straße, ebenfalls im Nahbereich von Schulen, wurde die
Geschwindigkeit von 210 Fahrzeugen überprüft.
Hier zeigte sich ein etwas anderes Bild: Sieben Geschwindigkeitsüberschreitungen
folgte die Einleitung eines Bußgeldes, eine davon war zudem mit einem Fahrverbot
verbunden. Ein weiterer Fahrer war zwar nicht ganz so schnell unterwegs, aber
noch so flott, dass ein Verwarnungsverfahren eingeleitet wurde. Darüber hinaus
wurden weitere Verkehrsteilnehmer unmittelbar vor Ort verwarnt.
Bei den Überprüfungen mittels Handlasermessgerät ging es den Polizeibeamtinnen
und -beamten nicht ausschließlich darum, Verstöße festzustellen. Viel wichtiger
war der persönliche Austausch mit den Menschen. An beiden Kontrollstellen
ergaben sich zahlreiche positive Bürgergespräche. Viele Verkehrsteilnehmer
zeigten Verständnis für die Maßnahmen, zeigten sich teilweise auch “ertappt” und
begrüßten die Kontrollen ausdrücklich.
Bereits im Vorfeld der Geschwindigkeitskontrollen hatten die Polizeibeamtinnen
und -beamten in Steinau in Abstimmung mit dem dortigen Ordnungsamt einen
weiteren wichtigen Aspekt unter die Lupe genommen: das sogenannte “Elterntaxi”.
Gemeint sind damit Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto bis unmittelbar vor die
Schule bringen oder dort abholen. Was gut gemeint ist, kann rund um den
Schulbeginn und das Schulende allerdings schnell zu zusätzlichem
Verkehrsaufkommen, unübersichtlichen Situationen und Gefahren für andere Kinder
führen.
Auch hier gilt: Ein sicherer Schulweg beginnt nicht erst auf dem Schulhof.
Rücksichtnahme, angepasste Geschwindigkeit und ein aufmerksamer Blick für die
kleinsten Verkehrsteilnehmer sind entscheidend.
Die Aktion “Blitz für Kids” hat deshalb eine klare Botschaft: Kinder sollen
sicher zur Schule kommen – und dafür können alle Verkehrsteilnehmer etwas tun.
Die Polizeistation Schlüchtern zieht entsprechend ein positives Fazit. Die
engagierte Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, das überwiegend
verantwortungsbewusste Verhalten der Verkehrsteilnehmer und die zahlreichen
guten Gespräche zeigen, dass Verkehrssicherheit am besten funktioniert, wenn man
miteinander statt nur übereinander spricht.
Quelle: Polizeipräsidium Südosthessen

