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Weiteres historisches Kleinod zukunftsfest gemacht

Sanierung des Lambertusbrunnens in Gelnhausen abgeschlossen

Die Sanierungsoffensive in der Gelnhäuser Altstadt geht weiter: Nach dem Steinbrunnen ist nun auch der Lambertusbrunnen wieder fit für die Zukunft. Das spätmittelalterliche Brunnenhaus hat nicht nur ein neues Dach und eine frisch verputzte Fassade erhalten, die Arbeiten haben auch interessante Erkenntnisse über die Geschichte des Bauwerks zutage gefördert.

Seit Jahrhunderten gehört der Lambertusbrunnen zum historischen Stadtbild von Gelnhausen. Innerhalb der alten Stadtmauer gelegen, erfüllte er einst eine wichtige Funktion bei der Wasserversorgung, unter anderem des Fürstenhofs. Bereits 1289 wurde der Brunnen erstmals urkundlich erwähnt. Sein ursprünglicher Name „Lintborn“ geht vermutlich auf die besondere Qualität seines Wassers zurück. Das Wort „Lint“ steht für weich oder mild.

Heute ist der Brunnen an der Lambertusgasse ein historisches Kleinod. Doch die Zeit hatte deutliche Spuren am spätmittelalterlichen Brunnenhaus hinterlassen. „Das Erscheinungsbild vor der Sanierung war wenig attraktiv“, sagt Projektleiter Thorsten Amend vom städtischen Bauamt. „Viele Ziegel waren lose, zudem waren unterschiedlichste Ziegelformen auf dem Dach angebracht. Und der Putz war abgeblättert.“

Doch die Probleme beschränkten sich nicht auf das äußere Erscheinungsbild. So zeigte sich, dass die Wasserführung auf der rückwertigen Giebelseite in Richtung der Giebelwand geleitet wurde. Ein Teil der Sanierung war es deshalb, das Pflasterniveau anzuheben, um künftige Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Auch die Wasserführung am Dach war nicht optimal, was weitere Schäden an den Wänden verursachte.

Ein Blick unter das Dach offenbart Baugeschichte

Vor der Sanierung stand für die Planer eine gründliche Bestandsaufnahme auf dem Programm. Einer der ersten Schritte war die Öffnung des Dachs. „Das Ziel war es nicht nur, den Zustand der Konstruktion zu erfassen, sondern mehr über den ursprünglichen Zustand in Erfahrung zu bringen“, erläutert Amend.

Unter dem Dach befindet sich ein gemauertes Tonnengewölbe. Bei der Öffnung zeigte sich, dass die rückseitige Wand erst nachträglich vor das eigentliche Bauwerk gesetzt worden war. „Das Gebäude hat im Laufe der Jahrhunderte mehrfach Veränderungen erfahren“, sagt Amend.

Erfreulich: Die vorhandenen Dachbalken konnten zum größten Teil wiederverwendet werden. Das breite Satteldach hat eine neue, einheitliche Eindeckung mit Ziegeln in historischer Optik erhalten. Dachüberstände wurden verkürzt und die Wasserführung optimiert, um künftigen Feuchtigkeitsschäden vorzubeugen.

Anschließend rückten die Außenwände in den Mittelpunkt. Der alte Putz wurde abgeschlagen, die Wände mit dem Sandstrahler behandelt und schließlich neu verputzt. Ein heller sandfarbener Putz verleiht dem Brunnenhaus jetzt ein einheitliches Erscheinungsbild. Sämtliche Arbeitsschritte wurden mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt.

Historische Veränderungen bewusst sichtbar gemacht

Auffällig: Eine deutlich erkennbare Kante an der Fassade des Brunnenhauses markiert den Übergang zwischen dem ursprünglichen Gebäude und den Bestandteilen, die erst in späterer Zeit hinzugekommen sind. Diese Unterscheidung ist ausdrücklich gewollt. „Wir wollten die alten und die neueren Bestandteile optisch trennen, um die geschichtlichen Veränderungen für Besucherinnen und Besucher erfahrbar und nachvollziehbar zu machen“, erklärt Amend.

Für Bürgermeister Christian Litzinger ist dies auch ein Ausdruck des Respekts vor dem historischen Erbe Gelnhausens: „Die Sanierung des Brunnenhauses ist mehr als eine Reparatur oder eine optische Aufwertung. Das Gebäude erzählt nun auch etwas über seine Veränderungen.“ Dem Team um Thorsten Amend spricht er ein großes Lob für die erfolgten Arbeiten aus.

Für Amend ist die Arbeit am Lambertusbrunnen keineswegs die erste Begegnung mit Gelnhausens gebauter Vergangenheit. Bereits vor der Sanierung des Lambertus- und des Steinbrunnens war er für die Restaurierung mehrerer bedeutender Bauwerke verantwortlich, darunter der Wartturm, der Schifftorturm, der Ziegeltorturm und das Innere Holztor. Auch die Rettung des Wartturms in Roth gehörte zu seinen Aufgaben.

Für ihn geht der Erhalt der Immobilien mit einer akribischen historischen Recherche einher. Dabei setzt er auch auf modernste Technik.

Mittlerweile hat er schon mehrere historische Türme digitalisieren lassen, angefangen mit dem Inneren Holztor. Die digitalen Ansichten dokumentieren die Bauwerke mit einer Genauigkeit, die weit über eine herkömmliche Bestandsaufnahme hinausgeht. So zeigen sie beispielsweise die aktuellen Balkenlagen und frühere Konstruktionen. Dabei wird jeder einzelne Stein erfasst.

Das hat ganz praktische Vorteile: Müssen beschädigte Gebäudeteile ausgetauscht werden, können Handwerker anhand der digitalen Dokumentation punktgenaue Anweisungen erhalten. Auch Statiker gewinnen auf diese Weise wichtige Informationen über den Aufbau und den Zustand der historischen Konstruktionen.

Ein Archiv für kommende Generationen

In Amends Büro ist inzwischen ein umfangreiches, sorgfältig dokumentiertes Archiv entstanden. Hier bewahrt er die Erkenntnisse zu den einzelnen Bauwerken auf, sammelt Pläne und historische Karten und hält dabei auch Gebäude fest, die seit Langem aus dem Stadtbild verschwunden sind. „Dafür bin ich ihm sehr dankbar!“, sagt Bürgermeister Christian Litzinger. „Denn so bewahren wir das Wissen um unsere historische Bausubstanz und die Schritte, die zu ihrem Erhalt erforderlich sind, für die nächste Generation. Die Verantwortlichen sollen auf möglichst umfassende Informationen zurückgreifen können, um nicht wieder bei null anfangen zu müssen.“

Mehrere Fachleute und Handwerksbetriebe haben am Erhalt des Lambertusbrunnens mitgewirkt. Bürgermeister Litzinger spricht ihnen ein großes Lob aus. „Besonders froh bin ich, dass wir bei den Arbeiten auf regionale Unternehmen zurückgreifen konnten. Denn wo immer uns dies möglich ist, tun wir das.“

Und das könnte schon bald wieder der Fall sein. Denn für die Stadtverwaltung ist die Sanierungsoffensive historischer Gebäude keineswegs abgeschlossen. Als Nächstes wird sich das Bauamt dem Turm des Haitzer Tors zuwenden. Und auch dort beginnt die Arbeit nicht mit Hammer und Meißel, sondern mit einer professionellen Digitalisierung, informiert Thorsten Amend.

Ein Bild des geöffneten Dachs gewährt Einblicke in das Tonnengewölbe über dem Brunnenhaus

Quelle: Barbarossastadt Gelnhausen

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