Innovatives Format bietet am 13. und 14. November Raum für Austausch und Ideen über gesellschaftliches Miteinander und das Zusammenleben in Hanau / Kostenlose Tickets ab sofort erhältlich / Veranstaltet vom „Haus für Demokratie und Vielfalt” und „Bildungsinitiative Ferhat Unvar”
„Demokratie lebt davon, dass Menschen einander zuhören, unterschiedliche Perspektiven einbringen und gemeinsam für eine bessere Zukunft arbeiten. Genau dafür schaffen wir mit der ‚Zwei-Tage-WG‘ einen Raum: Wir benennen, was uns Sorgen macht und entwickeln dann miteinander ein gutes Zusammenleben für morgen“, sagt Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri über die Zielsetzung und lädt alle Hanauerinnen und Hanauer ein, vorübergehend in diese spezielle „Wohngemeinschaft“ einzuziehen.
Die „Zwei-Tage-WG“ wird am Freitag, 13. und Samstag, 14. November im Congress Park Hanau (Schlossplatz 1) von der Bildungsinitiative Ferhat Unvar und dem Haus für Demokratie und Vielfalt (HDV) veranstaltet. Unter der Leitfrage „Demokratie, Vielfalt, Bildung – Wie wollen wir zusammenleben?“ kommen Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven zusammen. Die Veranstaltung greift drängende Zukunftsfragen auf, richtet den Blick aber bewusst nach vorne. Neben der Auseinandersetzung mit Krisen und Zukunftsängsten stehen ermutigende Ansätze, positive Visionen und die Vernetzung engagierter Initiativen im Mittelpunkt. Diese Menschen und alle Interessierten erhalten mit der Veranstaltung eine Möglichkeit zur Vernetzung und gemeinsamen Entwicklung neuer Ansätze.
Dass dieses innovative Format in Hanau stattfindet, ist kein Zufall. Die Stadt hat sich nach dem rassistischen Anschlag vom 19. Februar 2020 intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie Erinnerung, soziales Engagement und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verbunden werden können. Der unermüdliche Einsatz von Angehörigen, Überlebenden und Initiativen hat deutlich gemacht: Erinnerung, Aufarbeitung, antirassistische Bildungsarbeit und demokratische Zukunftsgestaltung gehören untrennbar zusammen. „Als Frauen und Mütter können wir nicht aufgeben, diese Möglichkeit haben wir nicht. Und ich kann nicht zu Hause sitzen und nur weinen über den Tod meines Sohnes. Solange wir uns an ihn erinnern, lebt er weiter mit uns zusammen. Deswegen kann ich weitermachen“, sagt Serpil Unvar, Mutter von Ferhat Unvar und Gründerin der Bildungsinitiative.
Die Zwei-Tage-WG knüpft daran an und setzt dabei bewusst auf offene und dynamische Austauschumgebungen. Menschen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Öffentlichkeit sollen einander auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen. „Das Bild der Wohngemeinschaft ist daher bewusst gewählt: In einer WG lebt man zusammen, diskutiert, übernimmt Verantwortung und tauscht sich über den gemeinsamen Alltag aus“, sagt Stadtrat und Sozialdezernent Andreas Jäger.
Dieses Prinzip überträgt die Zwei-Tage-WG auf die Veranstaltung. Unterschiedliche Positionen und Sichtweisen sollen nicht ausgeblendet, sondern offen angesprochen werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen konkrete Ideen mitnehmen und das Gefühl bekommen, mit ihren Fragen und Herausforderungen nicht allein zu sein. Am Freitag (13. November) richtet sich die Veranstaltung an ein Fachpublikum, das in fünf übergeordneten Themen-Werkstätten (Vermitteln, Teilen, Gestalten, Erinnern und Spielen) arbeitet. Am Samstag (14. November) öffnet sich die WG für alle Interessierten. Dann stehen unter anderem Spiele, Workshops, ein Jugendpanel, Musik, Filmvorführungen und weitere Mitmachangebote auf dem Programm. Für Hanauerinnen und Hanauer heißt das konkret: Am Samstag können sie selbst in die WG „einziehen“ und mitdiskutieren, Neues ausprobieren und gezielt einzelne Angebote besuchen. Vorkenntnisse sind nicht notwendig, die Teilnahme ist kostenlos. Tickets gibt es bereits jetzt über die Website des Hauses für Demokratie und Vielfalt http://www.hdv-hanau.de/zwei-tage-wg.
Eine besondere Bedeutung erhält die Veranstaltung durch den 14. November, den Geburtstag von Ferhat Unvar. Er war einer der neun Menschen, die am 19. Februar 2020 bei dem rassistischen Anschlag in Hanau ermordet wurden. Neben ihm verloren Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kenan Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu und Kaloyan Velkov ihr Leben. Sein Satz ‚Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst‘ ist seit dem Anschlag zu einem zentralen Leitmotiv des Gedenkens geworden. Aus dem Wunsch, Unvars Werte weiterzutragen, entstand die Bildungsinitiative Ferhat Unvar. Sie hält die Erinnerung lebendig und verbindet sie mit politischer Bildung sowie dem Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung. Serpil Unvar sagt: “Ich will nicht, dass die Namen anderer Kinder irgendwann auf einem Denkmal stehen. Das treibt mich an. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe oder nicht. Aber ich kann nicht still bleiben.”
Das Haus für Demokratie und Vielfalt ist ebenfalls unmittelbar aus den Erfahrungen des 19. Februar hervorgegangen: Wenige Monate nach dem Anschlag beschloss die Stadt Hanau, einen dauerhaften Ort für Demokratie und Vielfalt zu schaffen. Mit seiner Eröffnung im Jahr 2027 wird das HDV am Kanaltorplatz zum zentralen Ort des Gedenkens und der Bildung. Es schafft Raum für Begegnung, in dem Menschen zukunftsfähige Demokratiekonzepte erproben, weiterentwickeln und gemeinsam mit Leben füllen können. Die Zwei-Tage-WG ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dorthin. „Der 19. Februar gehört zu Hanau und wird immer zu Hanau gehören“, sagt Oberbürgermeister Dr. Bieri, „zugleich richten wir den Blick nach vorn. Hanau lebt von seiner Vielfalt, von Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, Kulturen und Perspektiven. Darin liegt eine große Stärke unserer Stadt. Die Zwei-Tage-WG bringt diese Menschen zusammen, um vor Ort Ideen und Impulse für eine Gesellschaft zu entwickeln, die mehr verbindet als trennt.“
Hinweis: Medienvertreterinnen und Medienvertreter sind eingeladen, die Zwei-Tage-WG vor Ort kennenzulernen. Am Samstag, 14. November, ist ein Presserundgang durch die Veranstaltung geplant. Dabei gibt es Gelegenheit, verschiedene Formate und Programmpunkte zu erleben sowie mit Verantwortlichen und Beteiligten ins Gespräch zu kommen. Wenn Sie daran Interesse haben, melden Sie sich gerne per Mail an oeffentlichkeitsarbeit@hanau.de.
Pressekontakt:
Stadt Hanau, Dominik Kuhn
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Quelle: Stadt Hanau

