Der Wochenendausflug der TSV-Männer-Gymnastik-Gruppe aus Rodenbach war ein ganz besonderer Termin. Seit 25 Jahren gehört der jährliche Ausflug zum festen Bestandteil im Terminkalender und stellt die beiden Organisatoren Fiede & Peter (Friedhelm Löbel und Peter Wolf) vor neue Herausforderungen, denn es galt immer wieder eine neue Region mit besonderen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Für die beiden Organisationstalent gab es am Anreisetag nach einem Rückblick mit vielen Erinnerungsfotos (mittels Power-Point-Präsentation) ein großes Dankschön und viel Applaus! In diesem Jahr feierte der TSV (Turn- und Sportverein Rodenbach) sein 50-jähriges Jubiläum und dies war ein Grund, eine eigene Chronik über die Aktivitäten (wöchentliche Gymnastikübungen, Radtouren in den Sommerferien und den Wochenendausflug sowie die Wanderung zum Buchberg zum Jahresbeginn) der TSV-Männer-Gymnastik-Gruppe zu verfassen.
Dieses Jahr ging es ins Saarland und ins angrenzende Rheinland-Pfalz. Auf dem Programm standen mehrere Highlights: Wanderung auf dem „Baumwipfelpfad über der Saarschleife“, Besichtigung und Führung durch das Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ und anschließende Schifffahrt „Saarschleifentour“ von Mettlach und zurück sowie das „Museum Glockengießerei“ in Saarburg (Rheinland-Pfalz).
Am Ankunftstag stand – nach einer Stärkung in einer Dorfmetzgerei in Mettlach-Orscholz – bei schönstem Wetter und bester Aussicht auf die Saarschleife eine Wanderung auf den Gipfel vom „Baumwipfelpfad Saarschleife“ auf dem Programm. Der Baumwipfelpfad mit einer Länge von 1.250 Metern bot die Möglichkeit, die Natur auf besondere Weise zu erleben: Auf Augenhöhe mit den Baumkronen. Der 42 m hohe Aussichtsturm konnte komplett ohne Stufen erreicht werden, sodass jeder Teilnehmer die Möglichkeit hatte, den einzigartigen Panoramablick auf die Saarschleife und die umliegende Landschaft des Naturparks Saar-Hunsrück zu genießen. Entlang des Pfades gab es Lern- und Erlebnisstationen, die für Spaß und Abwechslung auf dem Spaziergang durch die Baumwipfel gesorgt haben. Rund um die Saarschleife erstreckt sich eines der schönsten Premium-Wandergebiete des Saarlandes.
Am zweiten Tag stand die Besichtigung und Führung durch das Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ auf dem Programm. Es ist das Weltweit einzige vollständig erhaltene Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung und bietet heute mit seinen zahlreichen Hallen, Freiflächen und dem fesselten Gewirr der Rohrsysteme einen einzigartigen Schauplatz für internationale Ausstellungen, Festivals und Konzerte. Zur Kultur gesellt sich darüber hinaus die Natur: Aus der einstigen „Hölle“ der Kokerei ist ein variables PARATIES geworden.
In Begleitung einer fachkundigen Führerin besichtigten die Gäste aus Rodenbach die beeindruckenden Hallen und Maschinen von der Gebläsehalle bis hinauf zum Hochofen. Während der Führungen wurden Fragen: „Wie entsteht eigentlich Roheisen? Und wie erging es den Menschen, die hier früher gearbeitet und gelebt haben?“ beantwortet.
Beim Abendessen im traditionellen „Gasthaus Abtei Bräu in Mettlach“ verspeisten die Teilnehmer Original-Saarländer-Gerichte zum bekannten Biersorten und ließen noch einmal die Eindrücke von der Völklinger Hütte Revue passieren.
Am Abreisetag besuchten die Wochenendausflügler vom TSV Rodenbach das „Museum Glockengießerei Saarburg“ und enddeckten eine weitere Industriekultur. Mehr als 230 Jahre lang wurden in Saarburg Glocken gegossen. Kleine und bis zu fünf Tonnen schwere Glocken fanden ihren Weg von Saarburg aus – quer durch Europa – hinaus in die ganze Welt. Die Gästeführerin Gerlinde Zender schilderte im historischen Gewand und sehr authentisch die Geschichte der Gießerfamilie Mabilon, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichten. Sie bot allen interessierten Teilnehmern einzigartige Einblicke in sozialgeschichtliche, kulturhistorische und regionalgeschichtliche Entwicklungen vom 18. Jahrhundert an bis in die heutige Zeit. Der Weitsicht des letzten Glockengießermeisters, Wolfgang Hausen-Mabilon, ist es zu verdanken, dass die Produktionsstätte in den 50er Jahren nicht wie im Falle so vieler anderer alter Handwerksbetriebe in moderne Industriegebiete verlegt wurde. Erhalten und heute noch erlebbar blieb so die jahrhunderte alte Tradition des Glockengusses in einem einzigartigen Gebäudekomplex im Altstadtbereich der Stadt Saarburg. Vom Zeichenzimmer, in dem die Meister den Glockenton berechneten und die Rippe entwarfen, über den Lehmraum und die Werkstätten bis hin zum Kronenzimmer und der Gießhalle spiegelt sich ein Produktionszeitraum vieler Jahrhunderte wieder. Ende des Jahres 2002 wurde die Produktion der Glocken aus Altersgründen aufgegeben.
Doch was sollte mit dem anerkannten Denkmal passieren? Marlis und Wolfgang Hausen-Mabilon selbst führten es schon 2003 einer der Funktionen zu, die es aus jetziger Sicht auch in Zukunft haben wird. Sie machten aus ihrer Glockengießerei ein Museum und bauten ein touristisches Konzept auf, das im Jahr ca. 10.000 Gäste aus aller Welt willkommen heißt. Als Museum und Kulturstätte ist es von unschätzbarem Wert für die Wirtschaftsfaktoren Kultur und Tourismus, die die Saarburger Region so sehr prägen und beeinflussen. Seit dem 1. Juli 2008 ist die Stadt Saarburg nun Eigentümerin des gesamten Ensembles. Der Trägerverein, das Lokale Bündnis für Familie e.V. hat nach Jahren intensiver Aufbauarbeit ein sozio-kulturelles Zentrum auf dem ehemaligen Gelände aufgebaut, das neben verschiedenen Einrichtungen vor allem das einzige Museum beherbergt, das die Entstehung einer Glocke von der Berechnung des Glockentons bis hin zur fertigen Bronzeglocke anschaulich darstellt. Im angeschlossenen Neubau hat das hauseigene, integrative Begegnungscafé Urban seinen Platz gefunden. Nach dem fachkundig begleiteten Rundgang durch die Gästeführerin Gerlinde Zender waren alle begeistert, da den meisten Besuchern die vielfältigen Arbeiten zur Herstellung einer Glocke im Detail nicht bekannt waren und haben jetzt eine völlig neue Wertschätzung für den Beruf Glockengießer.
Im „Restaurant Fährhaus“ in Saarburg beendeten die Reisegäste ihre Wochenend-Tour mit dem traditionellen Abschlussessen. Der Jubiläums-Wochenendausflug war zweifelsohne ein besonders gelungenes Erlebnis, das Kultur, Natur und Kulinarik auf harmonische Weise verband. Die Vorfreude auf das kommende Jahr wurde bei allen Teilnehmern bereits geweckt. „Lasst Euch überraschen“ so die Organisatoren.
Quelle: Anton Hofmann

