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Flugsicherung: Vom Einzelsystem zur “smarten” Plattform – Frequentis standardisiert mit TowerX den digitalen Kontrollturm

Die Flugsicherung der Zukunft verabschiedet sich von fragmentierten Einzelsystemen: Der globale Technologiekonzern Frequentis führt mit der Automatisierungsplattform TowerX seine etablierten „smart“-Produkte in einer serviceorientierten IT-Architektur zusammen. Die integrierte Lösung harmonisiert dabei Surveillance-, Routing-, Guidance- und Visualisierungsfunktionen ebenso wie Flugplan- und Meteorologiedaten auf einer gemeinsamen Benutzeroberfläche. Dies reduziert die technische Komplexität für Fluglotsen im Tower erheblich und legt den Grundstein für moderne Tower- und Remote-Tower-Konzepte weltweit.

Die zivile und militärische Flugsicherung steht vor der Herausforderung, steigende Verkehrsströme bei gleichzeitig verschärften Sicherheits- und Effizienzanforderungen zu bewältigen. Ein zentrales Problem in vielen Kontrolltürmen ist dabei die technologische Fragmentierung: Lotsen müssen oft parallel mit isolierten Systemen für Flugdaten, Wetter, Radar und Kamerabilder interagieren.

Ein Grund hierfür ist, dass traditionelle Tower-Arbeitsplätze historisch gewachsen sind. Die schrittweise Einführung digitaler Werkzeuge führte in der Praxis jedoch häufig zu einer Vielzahl proprietärer Bildschirme und Eingabegeräte. Diese Systemlandschaften erhöhen nicht nur den Schulungsaufwand für das Personal, sondern erschweren auch die Wartung und Cyber-Security-Zertifizierung durch die Flugsicherungsorganisationen (ANSPs).

Der international führende Technologieanbieter Frequentis AG (ISIN: ATFREQUENT09; WKN: A2PHG5) adressiert diese Komplexität mit der Plattform „TowerX“. Das System führt die zuvor separat angebotenen „smart“-Module des Herstellers in einer serviceorientierten Architektur zusammen, um Arbeitsabläufe zu standardisieren und die IT-Infrastruktur von Flughäfen zu konsolidieren. Mit der Einführung von TowerX etabliert Frequentis eine integrierte Lotsenarbeitsstation (integrated Controller Working Position – iCWP). Durch die softwareseitige Verknüpfung der Teilsysteme werden relevante Datenströme und Informationen auf einer einheitlichen Benutzeroberfläche konsolidiert.

Die funktionalen Kernkomponenten: Das „smart“-Modulportfolio

Das funktionale Spektrum von TowerX setzt sich dabei aus vier spezialisierten Modulen zusammen:

smartSTRIPS (Elektronisches Flugdatenmanagement): Dieses Modul ersetzt papierbasierte Kontrollstreifen durch ein digitales Flugdatenmanagement. Das System synchronisiert Flugplanänderungen in Echtzeit, automatisiert Routineabläufe und bietet regelbasierte Validierungen zur Vermeidung von Fehleingaben.

smartVISION (Videobasierte Außensicht): Die Komponente stellt eine hochauflösende 360-Grad-Videodarstellung des Flugplatzes bereit. Über eine Augmented-Reality-Ebene werden Live-Kamerabilder mit Radar- und Transponderdaten (wie Flugnummer und Geschwindigkeit) überlagert. Optionale Infrarot- und Wärmebildsensoren unterstützen die Verkehrsüberwachung bei schlechten Sichtverhältnissen.

TowerPad (Routenplanung und Vorfeldführung): Dieses Werkzeug dient der automatisierten Planung und Überwachung von Rollbewegungen auf dem Vorfeld. Es enthält integrierte Sicherheitsnetze („Safety Nets“), die Konflikte zwischen Luftfahrzeugen und Bodenfahrzeugen erkennen und bei drohenden Verletzungen von Freigabegrenzen automatische Warnmeldungen generieren.

smartTOOLS (Informations- und Steuerungssystem): Dieses Modul fungiert als Informationsknotenpunkt für meteorologische Daten (wie Windgeschwindigkeiten und Luftdruck), Startbahnkonfigurationen sowie die Steuerung der Flugplatzbefeuerung. Die Daten werden kontextsensitiv ausgespielt.

Systemarchitektur und IT-Orchestrierung

Der technologische Kern von TowerX liegt also in der Abkehr vom sogenannten „System-Stitching“ – dem manuellen Verknüpfen heterogener Softwarelösungen. Da die genannten Module auf einer gemeinsamen datenzentrumsfähigen Architektur aufsetzen, können Daten ohne Medienbrüche ausgetauscht werden. Bestätigt ein Lotse beispielsweise eine Rollfreigabe, wird diese Information simultan im elektronischen Flugstreifen (smartSTRIPS) hinterlegt und an das Überwachungsmodul (TowerPad) übermittelt.

Auch für IT-Betreiber reduziert dieser Ansatz die Komplexität bei der Systemwartung. Denn sicherheitsrelevante Software-Updates können zentral verwaltet werden, wodurch der Wartungsaufwand gegenüber heterogenen Einzellösungen reduziert wird. Dies erleichtert zudem die Einhaltung aktueller regulatorischer Vorgaben im Bereich der Cyber-Security für kritische Infrastrukturen.

Marktentwicklung und globale Anwendungsbereiche

Marktprognosen weisen bis zum Jahr 2035 ein signifikantes Wachstum für digitale und automatisierte Tower-Lösungen aus. Haupttreiber sind dabei der Modernisierungsbedarf bestehender Infrastrukturen sowie der Trend zu Remote-Tower-Konzepten, bei denen die Verkehrsleitung physisch vom Flugplatz entkoppelt wird. Die Architektur von TowerX ist auf Skalierbarkeit ausgelegt und wird sowohl in konventionellen Kontrolltürmen als auch in virtuellen Kontrollzentren eingesetzt. In Ländern mit weitverzweigter, ländlicher Infrastruktur – wie beispielsweise Norwegen oder Grönland – wird das System genutzt, um Regionalflughäfen von zentralen Standorten aus fernzuüberwachen. Dies ermöglicht eine flexiblere Personalplanung und senkt die Betriebskosten der Flugplätze. Gleichzeitig lässt sich die Plattform an internationalen Großflughäfen mit komplexen Start- und Landebahnsystemen einsetzen, wie die aktuellen Implementierungen in Australien zeigen. Weltweit sind die „smart“-Produkte bereits in mehr als 36 Ländern an über 400 Controller-Arbeitsplätzen im Einsatz – sowohl zivil als auch militärisch.

Quelle: Frequentis AG

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