Nidderau. Die Baustelle auf dem Gelände der Bertha-von Suttner Schule in Nidderau ist in vollem Gange, die ersten Fundamente sind gegossen und in wenigen Tagen soll der Schulanbau bereits in die Höhe wachsen. Deshalb kommt die Grundsteinlegung an diesem Montagvormittag eigentlich schon zu spät. Doch wer hält diesem Tempo schon Stand? „Im Moment schauen viele Schulträger in Deutschland auf den Main-Kinzig-Kreis. Wir wollen von der Vergabe der Arbeiten bis zum Einzug in die Klassenräume in weniger als anderthalb Jahren fertig sein. Aus der dringenden Notwendigkeit, mehr Räume zu schaffen, machen wir im Main-Kinzig-Kreis ein Vorbildprojekt mit Strahlkraft“, erklärt der Kreisbeigeordneter Jannik Marquart (CDU) bei der kleinen Feier zur Grundsteinlegung. Denn, obwohl der Main-Kinzig-Kreis kräftig an seiner Schullandschaft arbeitet, „ragt das, was wir hier in Nidderau für unsere Schullandschaft im Kreis umsetzen in Form und Zweck deutlich heraus“, bekräftigte auch Landrat Thorsten Stolz (SPD) an diesem Vormittag.
Über die Sommerferien soll der Rohbau erste Konturen annehmen, ein Stockwerk pro Woche. „In 4 Wochen steht der gesamte Rohbau“, versicherte Claus Albrecht, Geschäftsführer der Frankfurter Niederlassung des Bau- und Dienstleistungsunternehmens Goldbeck. Möglich machen dies Fertigbauteile, die auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden müssen. „Wie bei einem Lego-Spiel“, macht Albrecht deutlich. Für Geschwindigkeit sorgt auch, dass Planung und Bauausführung in einer Hand liegen. Ganz besonders erfreut zeigt sich der Landrat, der auch für die Finanzen des Kreises verantwortlich zeichnet, über einen weiteren Effekt der neuen Bauweise. „Sie macht es nämlich möglich, dass aus den ursprünglich für dieses Projekt verplanten 16,4 Millionen Euro am Ende nur 10,7 Millionen Euro werden.
Auch für die Leiterin des staatlichen Schulamtes Hanau Silke Siekemeyer ist die Einführung einer gymnasialen Oberstufe weit mehr als eine organisatorische oder bauliche Aufgabe. Vielmehr setzt sie ein überzeugendes pädagogisches Konzept voraus und erfordert Engagement, Ideenreichtum und Ausdauer. Umso mehr freut hat es sie gefreut, dass das Oberstufenkonzept für die Bertha von Suttner Schule sowohl beim Schulträger, dem Landkreis als auch beim Hessischen Kultusministerium Anklang gefunden und deshalb die notwendige Genehmigung erhalten hat. Damit werde ein weiterer wichtiger Baustein zur Stärkung und Weiterentwicklung der regionalen Bildungslandschaft geschaffen, der den Jugendlichen zusätzliche Bildungswege und Perspektiven eröffnet.
Dass die Wahl seinerzeit auf Nidderau fiel, freut auch Bürgermeister Andreas Bär (SPD), der an die intensiven Abstimmungsgespräche seit 2021 erinnert. Die Stadt Nidderau und deren Gremien haben seitdem den Planungsprozess nach Kräften unterstützt, „weil es nicht nur Nidderau als Bildungs- und Schulstandort in der Region stärkt, sondern auch unsere Chancen zur Aufstufung zum Mittelzentrum erhöht“, so Bär.
Für dieses „große Engagement“ aller Beteiligten bedankte sich schließlich auch Schulleiter Harald Klose. Er orientierte sich in seiner Ansprache an Antoine de Saint-Exupéry: „Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.“
Damit leitete er zur Grundsteinlegung über, für die sich der heutige siebte Jahrgang der Bertha-von-Suttner-Schule etwas Besonderes hatte einfallen lassen. Die Schülerinnen und Schüler konservierten in einer Zeitkapsel ihre heutige Vorstellung von der Zukunft. Die Wahl fiel nicht zufällig auf die siebten Klassen. Es sind die Jugendlichen, die aus den Reihen der Bertha-von-Suttner-Schule als erste die Chance haben, die neue Oberstufe zu besuchen. „Wir können nicht in die Zukunft schauen. Diese Grundsteinlegung findet jedoch heute statt, weil weitsichtige Menschen mit dem Bauvorhaben der Errichtung einer gymnasialen Oberstufe Zukunft für viele junge Menschen möglich machen“, so Klose.
Das neue Oberstufengebäude wird viergeschossig gebaut und vollständig barrierefrei sein. Ein Aufzug verbindet alle Ebenen. Für das Erdgeschoss sieht der Plan einen Sockel aus Klinkerriemchen vor. Die oberen Geschosse erhalten eine Verkleidung aus robusten Schichtstoffplatten. Der Eingangsbereich wird durch eine großflächige Aluminium-Glas-Fassade betont, die einen offenen Blick in das großzügige Treppenhaus ermöglicht. Im Inneren ermöglichen nichttragende Wände flexible Grundrisse, sodass die Räume künftig ohne großen baulichen Aufwand an neue pädagogische Anforderungen angepasst werden können. Ein farbliches Leitsystem und Wandgrafiken unterstützen die Orientierung. Im Erdgeschoss stehen die namensgebende Schriftstellerin Bertha von Suttner und ihr Wirken im Mittelpunkt. Wandmalereien greifen ihr Leben und ihr Engagement auf.
Unter den Gästen befinden sich an diesem Vormittag auch einige Ehemalige wie beispielweise der CDU-Bürgermeisterkandidat Phil Studebaker. „Ja, ich kann mich noch gut erinnern. Meine ersten Schuljahre habe ich noch auf der Bertha verbracht, musste dann aber für das Abitur die Schule und den Ort wechseln. Mit der Erweiterung ist das bald nicht mehr nötig.“ Und auch Heldenbergens Ortsvorsteher Erich Lauer (CDU) hat seine Schulzeit auf der Bertha verbracht. „Das war in den 70er Jahren. Da war das Bildungsangebot noch nicht so breit gefächert wie heute“.
Fakten zum Bau:
Bauantrag eingereicht: 26. Februar
Baugenehmigung erhalten: 14. April
Ausführung: Mai 2026 bis April 2027
Bausumme: rund 10,7 Mio. Euro
Bruttogrundrissfläche 3.608 m²
16 Klassenräume im Erdgeschoss und in den drei Obergeschossen
Lehrerzimmer im 1. OG und 2. OG
Verwaltungsräume im 3. OG
Jürgen W. Niehoff
Quelle: Jürgen W. Niehoff

