Dienstag, März 17, 2026
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Physiotherapeuten kämpfen mit Fachkräftemangel, Bürokratie und stockender Digitalisierung

Bundestagsabgeordneter Johannes Wiegelmann im Austausch mit Björn-Maurice Bossert

Statistisch gesehen 304 Tage bleibt eine freie Stelle in der Physiotherapie laut Agentur für Arbeit aktuell unbesetzt, bevor sich ein geeigneter Nachfolger findet. Der heimische CDU- Bundestagsabgeordnete Johannes Wiegelmann hat sich mit Björn-Maurice Bossert, Geschäftsführer von „Vision Physio“ mit Praxen in Freigericht und Schlüchtern, über die aktuelle Lage in der Physiotherapie ausgetauscht. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen der zunehmende Fachkräftemangel, bürokratische Hürden sowie Probleme bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Bossert schilderte dem Abgeordneten die schwierige Situation vieler Praxisinhaber. Nach Angaben der Berufsverbände bleiben derzeit mehr als 85 Prozent der offenen Stellen in der Physiotherapie unbesetzt. Für viele Praxen bedeute das eine enorme wirtschaftliche Unsicherheit. „Wir tragen als Praxisinhaber ein unternehmerisches Risiko, das wir durch dieMechanismen des Marktes kaum ausgleichen können“, so Bossert.

Ein möglicher Teil der Lösung könne in der verstärkten Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland liegen. In der Praxis sei dies jedoch häufig schwierig. Grund dafür seien vor allem langwierige Anerkennungsverfahren für ausländischeBerufsabschlüsse. „Die Anerkennung erfolgt als Einzelfallprüfung und dauert entsprechend lange“, berichtete Bossert. Für Praxen, die dringend Personal benötigen, sei das ein großes Problem. Ein Dilemma, das sich allerdings nicht leicht auflösen lässt, weil gerade in einem sensiblen Bereich wie dem Gesundheitswesen eine gleichbleibend hohe Qualität für die Patientinnen und Patienten gewährleistet werden muss. Bossert regt darum an, angehende Physiotherapeuten aus dem Ausland, die nach ihrem Studium nach Deutschland kommen möchten, bereits während ihrer Ausbildung mit den deutschen Standards vertraut zu machen und in den Herkunftsländern auch bereits deutsche Sprachkurse anzubieten.

Ein weiteres Problem, dass viele Betriebe vor Herausforderungen stelle sei die Verordnungspraxis bei physiotherapeutischen Behandlungen für stark eingeschränkte oder sehr kranke Patientinnen und Patienten und damit laut Bossert rund 30 Prozent seiner Klienten. Rezepte mit sehr langen Behandlungszeiträumen – teilweise mit bis zu 36 Einheiten – führten dazu, dass Praxen ihre Vergütung erst nach Abschluss der gesamten Behandlung erhalten. In manchen Fällen könne es über neun Monate dauern, bis bereits erbrachte Leistungen bezahlt werden. Für kleine und mittelständische Praxen sei das betriebswirtschaftlich schwer kalkulierbar.

Kritisch sieht Bossert zudem den aktuellen Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Wichtige Projekte wie die Anbindung an die Telematikinfrastruktur oder das digitale Rezept verzögerten sich weiterhin. „Wir arbeiten derzeit doppelt – digital im System und gleichzeitig weiterhin mit Papierverordnungen. Das verursacht mehr Bürokratie stattweniger“, erklärte der Praxisinhaber.

Johannes Wiegelmann dankte für die offenen Einblicke in den Praxisalltag. „Gerade die Erfahrungen derjenigen, die täglich mit Patienten arbeiten, sind für die politische Arbeit sehr wichtig“, sagte der CDU-Abgeordnete. Er kündigte an, die geschilderten Probleme an die zuständigen Fachpolitiker in Berlin weiterzugeben.

Mit Blick auf die Digitalisierung verwies Wiegelmann auf die Strategie des Bundesgesundheitsministeriums, die Bürokratie abbauen und Abläufe beschleunigen solle. Ziel müsse es sein, die Rahmenbedingungen für Heilmittelerbringer wie Physiotherapeuten spürbar zu verbessern. Der Austausch habe deutlich gemacht, dass die Herausforderungen im Gesundheitswesen längst auch in der Region spürbar seien. „Wir müssen dafür sorgen, dass Praxen weiterhin wirtschaftlich arbeiten können und Patienten zuverlässig versorgt werden“, so Wiegelmann.

Quelle: Esther Wilfert Bundestagsbüro Wiegelmann

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