In einem exklusiven Talkformat erfuhren die Besucherinnen und Besucher vom ehemaligen international erfolgreichen Eiskunst-läufer und viele Jahre als Moderator des ZDF-Klassikers „Aktenzeichen XY“ sowie als Sportjournalist bei verschiedenen Fernsehsendern tätigen, Rudi Cerne, einiges was noch in keiner Zeitung stand oder in Interviews noch nicht nachgefragt wurde.
Diese Chance nutzten das Moderatoren-Duo, Yvonne Backhaus-Arnold (Redaktionsleiterin vom Hanauer Anzeiger) und Michael Bußer (Staatssekretäre a.D.) bei den von Hans-Jürgen Müller initiierten „Wilhelmsbader Gesprächen“ auf der Bühne in der Kleinen Parkwirtschaft. Rudi Cerne, volksnah und seit über 30 Jahren in Rodenbach (Main-Kinzig-Kreis) wohnhaft, gab sehr persönliche Auskünfte über sein bisheriges Leben, von der Kindheit – an die er sich in Herne gerne erinnerte – bis heute, wo er ständig zwischen München und der idyllischen Spessartgemeinde pendelt.
Sehr früh, bereits mit 6 Jahren, war sein Vater der Auffassung „Du gehst auf Eis“, denn er wünschte sich, dass der Sohn die Chance nutzen sollte, die ihm in jungen Jahren bedingt durch die Einberufung als Soldat in den zweiten Weltkrieg leider verwehrt blieben. Sein Vater überlebte schwerstverwundet und beinamputiert den Russlandfeldzug und baute das familiäre Malergeschäft auf. Die ganze Maler-Familie unterstützte von Anfang an seine spätere Leidenschaft, den Eiskunstlauf von der heimischen „Eissporthalle in Wanne-Eickel“ bis zu den „olympischen Sportstätten der Welt“ und den Showbühnen in Las Vegas bei „Holiday of Ice“. Cerne startete als Eiskunstläufer zuletzt für den Herner EV.
Statt einer ursprünglich angedachten Kfz-Schlosserlehre besuchte es das Gymnasium Eickel und legte mit dem Abitur den Grundstein für das Studium in Sport und Biologie auf höheres Lehramt, ohne das Studium abzuschließen, ab. In dieser Zeit trainierte er nebenher auf dem Eis zielstrebig und ausdauernd sowie mit schmerzhaften Stürzen, um sich auf den zukünftigen Wettbewerb vorzubereiten. Nach der Aufnahme ins Sportleistungszentrum Mannheim hatte er längere Zeit einen „Rivalen“ um Bestnoten und Bestzeiten. Norbert Schramm, dem zweiten deutschen Eislaufstar der 80-ziger Jahre, war ihm meist auf der Siegertreppe voraus, doch seinem Ansporn hat er es zu verdanken, dass er mehrfacher Deutschen Meister, Vizeeuropameister wurde und es jeweils unter die Top fünf bei Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen schaffte!
Rudi Cerne hatte sich in der Sportwelt einen Namen erworben und auf sich aufmerksam gemacht. Bei seinen ersten Versuchen – nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Sportlerleben – wurden ihm von den Fernsehanstalten keineswegs der rote Teppich ausgerollt, sondern erst musste erst einmal liefern. Nicht nur als Kommentator in seiner Sportdisziplin, sondern als Reporter am Spielfeldrand der Eintracht Frankfurt über den Fußball und den Rennstrecken der Tour de France, von der er elfmal mit Begeisterung für die Fans berichtete.
Sein Glück war nach eigenen Angaben, dass ihn prominente und einflussreiche Persönlichkeiten nach seinem 4-Jahresvertrag bei „Holiday on Ice“ beispielsweise seine erste Reportage über die Welt des Showprogramms ausstrahlten. Als ihm daraufhin die Moderation vom renommierten „Aktuellen Sportstudio“ von langjährigen Sportchef vom ZDF, Wolf-Dieter Poschmann, angeboten wurde, musste er nicht lange überlegen und übernahm 75-mal die Sonntagabendsendung. Damit wurde er einem noch wesentlichen größeren Publikum und wurde im deutschen Fernsehen beliebt.
Im Jahr 2002 stellte es sich – nach reiflicher Überlegung und dem Rat vom Frank Elstner – seiner größten Herausforderung, dem Klassiker „Aktenzeichen XY“. Elstner empfahl ihm ultimativ: „Machen sie es, und machen sie es sofort!“ Am Anfang war die Kultsendung 60 Minuten und heute sind es 90 Minuten. Nächstes Jahr wird er ein kleines Jubiläum haben. „25 Jahre – in denen mehr als 5.000 Fälle behandelt wurden und eine Aufklärungsquote von rund 40 % erreicht hat!“
Auf Rückfragen vom Moderatoren-Duo berichtete er von Einzelfällen die ihm sehr nahe gingen und länger beschäftigt hätten. „Wir zeigen so viel wie nötig und so wenig wie möglich“ von den meist sehr brutalen Morden und „wir wollen alte Wunden nicht unnötig aufreißen“ antwortet ein berührter Rudi Cerne auf die Frage nach den Grenzen des Zeigbaren.
Unter den 60 Gästen war das allgemeine Interesse sehr groß und umso mehr bewegte die Frage „warum werden Verbrechen, die bereits 30 oder gar 40 Jahre zurückliegen noch einmal gezeigt?“. Rudi Cerne und sein Team sowie Ermittler in den Fällen erwarten nicht, dass sich die Zuschauer an den Bildschirmen noch an Einzelheiten zurückerinnern. „Aber diese Beiträge hätten bei den Mitwissern schon Emotionen geweckt und ein schlechtes Gewissen erzeugt, dass sie entscheidende Hinweise gegeben haben, die zur Aufklärung führten“ ist Rudi Cerne fest überzeugt. Und die Aufklärungsquote gibt ihm Recht!
Von den „Wilhelmsbader Gesprächen“, die auch vom Hanauer Anzeiger unterstützt werde, profitierte diesmal der „Förderverein Palliative Patienten-Hilfe Hanau“. Neben einem Anteil aus dem Verkauf der Eintrittskarten für die Veranstaltung bekam der Verein eine Spende in Höhe von 1.000 € und 600 € aus dem Erlös einer Versteigerung von zwei VIP-Karten der Eintracht. Metropress-Gründer und Mitinitiator der Gesprächsreihe Hans-Jürgen Müller überraschte mit dieser Nachricht Dr. Maria Haas-Weber, Vorsitzende und Gründerin des Fördervereins, die an diesem Abend auch in der Parkwirtschaft war.


Quelle: Anton Hofmann

