Maintal. Seit Monaten werden die zwei möglichen Rechenzentren in Maintal heiß diskutiert.
Die Linke in Maintal stellt sich nun ausdrücklich gegen diese Pläne. Die Rechenzentren
schaden der Stadt.
„Wer sich die explosionsartige Ausbreitung von Rechenzentren in der Welt und in Rhein-Main
genauer anschaut, wird schnell erkennen, dass Maintal hier nicht profitieren wird – im Gegenteil“,
sagt Oliver Körting. Er gehört zum Sprecher*innenrat der Linken in Maintal. „Wir haben weder
ausreichend Strom, noch die Infrastruktur, um mit der erzeugten Abwärme umzugehen.“
Dass die Unternehmen dann noch zu internationalen Großkonzernen gehören, die dem Stadtsäckel
dadurch nur niedrige Einnahmen bescheren, komme noch hinzu. Die Einrichtung in Bischofsheim
soll von Jeff Bezos’ Amazon Web Service (AWS) betrieben werden. Mutterkonzern Amazon zahlt
trotz Milliardengewinnen kaum Steuern in Deutschland. In Dörnigheim will wiederum Edge
Connex – ein weiteres US-amerikanisches Unternehmen, das auf die KI-Bubble setzt – das zweite
Rechenzentrum sogar mit einem eigenen Gaskraftwerk versorgen. „Kaum Arbeitsplätze, kaum
Gewerbeeinnahmen. Aber dafür werden die Bürgerinnen und Bürger alle Probleme der KI-Bubble
zu spüren bekommen: steigende Stromkosten, Abgase, Flächenversiegelung und weitere
Umweltschäden“, so Körting. „Das ist der Brandbeschleuniger für gesamtgesellschaftliche
Ungerechtigkeiten und die Klimakatastrophe.“
Er hat Verständnis für die Debatte, mahnt aber: „Viele Kommunen ringen finanziell um jeden Cent
und sind verzweifelt. Da können die Einnahmen aus den Rechenzentren wie die Oase in der Wüste
wirken. Aber das ist schlicht eine Fata Morgana“, sagt Körting. „Wir fordern daher den Bund auf,
Kommunen stärker zu unterstützen, um die steigenden Kosten für zum Beispiel Kinderbetreuung
oder auch Klimaschutz- und Anpassung zu stemmen.“ Das sei leicht zu finanzieren. Etwa durch
weniger Steuerschlupflöcher für multinationale Konzerne wie Amazon oder eine Steuer für
Überreiche. Allein mit der Vermögenssteuer könne Deutschland 147 Milliarden Euro pro Jahr mehr
einnehmen, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) durchgerechnet. Auch die
Regulierung von Rechenzentren und KI sei nötig.
„Wir werden sind überzeugt davon, dass die meisten Menschen kein Rechenzentrum in Maintal
wollen. Und wir werden weiter dafür eintreten, dass diese Menschen Gehör finden. Die anderen
Parteien scheuen diese Position und verstecken sich hinter Paragraphen.“
Fact Sheet:
• In den USA ist der Anteil des Energieverbrauchs von Rechenzentren inzwischen bei über
4% des gesamten Stromverbrauchs – verbunden mit deutlich steigenden Stromkosten für
Menschen. Hochrechnungen des Lawrence Berkeley National Laboratory gehen von bis zu
12 % im Jahr 2028 aus.1
In Europa wird der Strombedarf von Rechenzentren besonders
drastisch steigen.2
• Allein die Rechenzentren in der Nachbarstadt Frankfurt verbrauchen heute so viel Strom wie
die deutlich größere Stadt Hamburg insgesamt.3
• Zwar haben Google, Amazon und Meta CO2-Neutralität für 2030 bzw. 2040 angepeilt, aber
Forschende wie Benjamin Lee, Professor für Elektrotechnik und Systemtechnik an der
University of Pennsylvania gehen nicht davon aus, dass diese Ziele selbst mit steigendem
Ausbau erneuerbarer Energien auch nur ansatzweise haltbar sind. 4
• Die Mehrheit der Menschen sorgt sich wegen der KI – der größte Treiber vom aktuellen
Rechenzentrumsboom – und der Auswirkung auf das tägliche Leben. Die meisten Menschen
wünschen sich eine Regulierung durch den Bund und die EU.5
• Rechenzentren werden derzeit nicht so besteuert wie bspw. Windkraftanlagen sondern wie
jedes andere „Gewerbe“ auch. Nach dem Windkraft-Vorbild könnten Kommunen allerdings
deutlich mehr Einnehmen: Hier würde dann die Rechenleistung als Grundlage zur
Besteuerung herhalten. Diese Anpassung der Gewerbesteuer müsste jedoch auf
Bundesebene erfolgen. Es wäre das absolute Minimum.6
• Für eine nachhaltigere Stromversorgung von Rechenzentren ist ein entsprechender Vorlauf
nötig. Das Fraunhofer-Institut hat das skizziert.7
Doch drängen viele Unternehmen wie Edge
Connex, AWS oder auch Vantage Data Centers (zuletzt in Groß-Gerau abgelehnt) viele
klamme Kommunen schnell Bauvorhaben zu genehmigen, bevor Regulierungen diese
Vorhaben verteuern oder verhindern.
Quelle: Die Linke Maintal

