Preisverleihung am 16. November im Kulturforum Hanau
Die Autorin Volha Hapeyeva erhält den Brüder-Grimm-Preis für Literatur der Stadt Hanau 2026. Die Jury einigte sich in ihrer Sitzung auf die in Belarus geborene Lyrikerin, Essayistin, Übersetzerin und promovierte Linguistin. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am Montag, 16. November, um 20 Uhr im Lesecafé des Kulturforums Hanau (Am Freiheitsplatz) durch Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri überreicht.
Den Beschluss über die neue Preisträgerin traf der Magistrat der Stadt Hanau am heutigen Montag. Ausgezeichnet wird ihr Werk „Wörterbuch einer Nomadin“, in dem sie sich mit den komplexen Verflechtungen von Sprache und Zugehörigkeit auseinandersetzt. In ihrer Begründung hebt die Jury hervor, wie Hapeyeva in ihren literarischen Essays vermittelt, was es bedeutet, vom Ort der eigenen Herkunft abgeschnitten zu sein und im Unterwegssein Halt zu finden. Die 1982 in Minsk geborene Autorin kann seit 2020 aus politischen Gründen nicht mehr in ihre Heimatstadt zurückkehren.
Aus den Bausteinen verschiedener Sprachen errichte Hapeyeva ein „Haus aus Sprache“, das auf dem Fundament eines Europas stehe, das sich seiner Möglichkeiten und Versäumnisse bewusst sei, so die Jury. Mit ihrem „Wörterbuch einer Nomadin“ zeige sie, wie Sprache kritisches Denken fördern und zugleich zu einem starken Zufluchtsort werden könne. Die Autorin erweise sich dabei als genaue Beobachterin gegenwärtiger Verhältnisse, als Kritikerin anhaltender Missstände und sprachlicher Leerformeln sowie als widerständige und empathische Befürworterin eines anderen, besseren Miteinanders.
Volha Hapeyeva lebt und arbeitet in Österreich und Deutschland. Seit 2020 schreibt sie auf Deutsch. Für ihr literarisches Werk erhielt sie bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Wortmeldungen-Literaturpreis 2022, den Rotahorn-Preis 2021 und den manuskripte-Preis 2025. Von 2019 bis 2020 war sie Stadtschreiberin von Graz, 2021 bis 2022 Writer-in-Exile des PEN-Zentrums Deutschland und 2022 bis 2023 Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. Ihre Gedichte wurden in mehr als 15 Sprachen übersetzt. Neben Lyrik und Essays veröffentlicht sie Romane, übersetzt Literatur und arbeitet als Künstlerin mit Objekten und Texten.
Der Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau für Literatur wird seit 1983 verliehen und erinnert an die in Hanau geborenen Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Er zählt mit einer Dotierung von 10.000 Euro zu den renommierten Literaturpreisen Deutschlands. Ausgezeichnet werden herausragende Werke in deutscher Sprache aus Prosa, Lyrik oder Dramatik einschließlich der Kinder- und Jugendliteratur. Darüber hinaus können Werke aus Sprachforschung oder Ethnologie sowie Arbeiten mit eindeutigem Bezug zum demokratischen Wirken der Brüder Grimm prämiert werden.
Der Preis erinnert insbesondere an den 18. November 1837, an dem Jacob und Wilhelm Grimm gemeinsam mit fünf weiteren Professoren als „Göttinger Sieben“ gegen den Verfassungsbruch ihres Königs protestierten. Seit 2017 wird die Auszeichnung im dreijährigen Rhythmus im Wechsel mit dem Paul Hindemith-Preis und dem Ludwig Emil Grimm-Preis der Stadt Hanau vergeben.
Der Jury gehörten Anna Baar (Preisträgerin 2023), Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Heiner Boehncke, Dipl. Pol. John Kannamkulam (Bürgervertreter der Stadt Hanau), Literaturkritikerin Beate Tröger M.A. und Frank Witzel (Autor und Vertreter der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung) an. Die Geschäftsführung lag bei Nicole Strohrmann, Leiterin des Kulturforums Hanau.
Pressekontakt:
Stadt Hanau, Dominik Kuhn
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Quelle: Stadt Hanau

