Main-Kinzig-Kreis zeichnet fünf Initiativen mit dem Umweltpreis aus
Noch bevor die Umweltpreisverleihung des Main-Kinzig-Kreises begonnen hatte, waren die Gäste im Barbarossasaal in rege Gespräche vertieft. Über den Boden hinter den Sitzreihen krabbelte juchzend ein Baby und wurde von den Gästen gelegentlich wohlwollend dabei beobachtet. Ein symbolträchtiges Bild für eine Preisverleihung, bei der es auch um die Frage geht, was kommenden Generationen weitergegeben wird.
Wie vielfältig das Engagement für Natur, Umwelt und Artenvielfalt sein kann, zeigten die fünf an diesem Abend ausgezeichneten Vereine, Einrichtungen und Engagierten. Sie vermitteln Kindern Kenntnisse über Natur und Landwirtschaft, erhalten alte Obstsorten, setzen sich für bedrohte Arten ein oder schaffen Orte, an denen Menschen Natur unmittelbar erleben können. Bettina Müller, Kreisbeigeordnete und ehemalige Bundestagsabgeordnete, überreichte die mit jeweils 1.000 Euro dotierten Preise im Barbarossasaal des Main-Kinzig-Forums. Ausgezeichnet wurden der Obst- und Gartenbauverein Gondsroth-Niedermittlau, der Kindergarten „Im Zauberwald“ aus Birstein, Manfred Sattler für sein langjähriges Engagement für den Feldhamsterschutz, das Gartenprojekt des Altenzentrums Rodenbach sowie der Freundeskreis Hof Buchwald aus Nidderau mit seinem Projekt „Lernort Bauernhof“. Eine Jury hatte die fünf aus insgesamt 16 Bewerbungen ausgewählt.
„Unsere fünf Trägerinnen und Träger des Umweltpreises haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Sie schützen Natur, schaffen Lernorte, bewahren Wissen, fördern Artenvielfalt und bringen Menschen mit ihrer Umwelt in Kontakt“, sagte Bettina Müller. Nachhaltigkeit bedeute nicht nur, an morgen zu denken, sondern „heute etwas weiterzugeben, das morgen noch Wirkung zeigt“.
Der Obst- und Gartenbauverein Gondsroth-Niedermittlau verbindet eine mehr als 100-jährige Vereinsgeschichte mit Umweltbildung und Naturschutz. Er pflegt sieben Streuobstwiesen mit mehr als 500 Obstbäumen. An der Auwiesengrundschule in Niedermittlau hat er zudem eine Naturerlebnisstätte mit Beeten, Naschgarten und grünem Klassenzimmer geschaffen. Er wird für zukunftsweisende Umweltbildung geehrt.
Dass Umweltbildung schon bei den Jüngsten beginnen kann, zeigt der Kindergarten „Im Zauberwald“ in Birstein. Dort wird Nachhaltigkeit gelebt. Hochbeete, Obststräucher, Waldtage und Bauernhofbesuche gehören dort zum Alltag. Die Kinder säen und ernten, verarbeiten Lebensmittel und lernen mit einem eigenen Bienenvolk etwas über Artenvielfalt. Im Backhäuschen verfolgen sie den Weg vom Korn bis zum Brot.
Einen anderen Schwerpunkt des Abends bildete der Artenschutz. Seit mehr als 25 Jahren widmet sich Manfred Sattler dem Schutz des von Aussterben bedrohten Feldhamsters. Der Umweltschützer kartiert potenzielle Lebensräume, dokumentiert Baue und Bestände und schafft damit Grundlagen für Schutzmaßnahmen. Sattler baute ein Helfernetzwerk auf, initiierte innerhalb der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz die AG Feldhamsterschutz und wirkte am Aufbau einer Nachzuchtstation mit.
Wie stark der Feldhamster unter Druck steht, zeigt die Entwicklung in Hessen: Ende der 1990er Jahre waren noch 58 Populationsräume nachweislich besiedelt, inzwischen ist ihre Zahl stark zurückgegangen. Im Raum zwischen Frankfurt und dem Main-Kinzig-Kreis gibt es jedoch weiterhin Feldhamsterbestände. Maintals Magistratsmitglied Olaf Lochmann dankte Sattler und seinem Team für ihren Einsatz. Besonders wichtig sei es, Wissen an junge Menschen weiterzugeben und sie an den Artenschutz heranzuführen. Genau das leiste die Initiative mit ihrem langfristigen und projektübergreifenden Engagement.
Natur, Nachhaltigkeit und Teilhabe verbindet das Gartenprojekt des Altenzentrums Rodenbach. Menschen in der Demenzpflege sowie Bewohnerinnen und Bewohner der Jungen Pflege können dort säen, pflanzen und ernten. Die Gartentherapie fördert kognitive und motorische Fähigkeiten, das Wohlbefinden und die Gemeinschaft. Mitarbeitende werden qualifiziert, um die Arbeit langfristig fortzuführen.
Der Freundeskreis Hof Buchwald aus Nidderau macht mit seinem „Lernort Bauernhof“ ökologische Landwirtschaft erfahrbar. Jährlich besuchen zwischen 800 und 1.000 Menschen den Hof. Dort werde mit allen Sinnen gelernt, berichteten die Verantwortlichen bei der Preisverleihung. Vermittelt werden Themen wie Biodiversität, Bodenschutz, Wasser, Tierwohl und Klimaanpassung. Vom Preisgeld will der Verein ein Bodenmikrofon anschaffen, mit dem man in den Boden hineinlauschen kann. Das sei ein Lernerlebnis der besonderen Art, so Melanie Werner, die den Preis für den Freundeskreis entgegennahm.
Alle Gewürdigten bedankten sich für die Auszeichnung und machten deutlich, dass die Projekte vom Engagement vieler Menschen leben. Sie bezogen diese ausdrücklich in die Anerkennung ein.
Bettina Müller griff diesen Gedanken zum Abschluss auf. So unterschiedlich die ausgezeichneten Projekte auf den ersten Blick seien, erzählten sie doch dieselbe Geschichte: „Es geht darum, etwas zu bewahren – und gleichzeitig etwas weiterzugeben: Wissen, Erfahrung, Begeisterung und Verantwortung.“ Sie beglückwünschte alle Geehrten und dankte ihnen für das große Engagement für die Heimat sowie die Generationen von morgen. Ihren Dank richtete die Kreisbeigeordnete auch an die Mitarbeitenden des Amtes für Umwelt, Naturschutz und ländlichen Raum, die die Veranstaltung organisiert hatten
Quelle: Main-Kinzig (SP)

