Bei den Fragestellungen an den Bundes-Vorsitzenden vom ACE (Auto Club Europa) Sven-Peter Rudolph in der Mitgliederversammlung in der Südhanghalle in Oberrodenbach, waren die aktuell hohen Treibstoffpreise „der“ Aufreger des Abends.
Der ACE-Kreisvorstand Main-Kinzig und Wetterau hatte zur jährlichen Clubveranstaltung zum Thema: „Mobilität der Zukunft: sicher und klimafreundlich, aber auch bezahlbar?“ eingeladen und der Kreisvorsitzende Hermann Stiegler begrüßte die stark interessierten Veranstaltungs-besucher*innen.
Mit seinem Impulsvortrag kam Rudolph schnell zum Kern der Eingangsfrage nach der Bezahlbarkeit der Mobilität für alle Bürgerinnen und Bürger. Egal ob mit dem Auto, der Bahn oder dem Bus sowie den Zweirädern etc.
„Mobilität bedeutet Teilhabe. Sie bringt uns zur Arbeit, zu Freunden und Familie. Sie ermöglicht Bildung, Freizeit und gesellschaftliches Leben. Kurz gesagt: Ohne Mobilität ist Teilhabe kaum denkbar!“ so der ACE Vorsitzende einleitend.
„Doch diese Mobilität hat ihren Preis. Und diesen Preis zahlen wir auf ganz unterschiedliche Weise: Wir zahlen ihn ganz unmittelbar – an der Tankstelle, für das Deutschlandticket, für das eigene Auto oder die nächste Bahnreise. Für viele Menschen ist Mobilität ein erheblicher Teil ihrer Lebenshaltungskosten. Wir zahlen einen ökologischen Preis. Der Verkehr gehört weiterhin zu den größten Verursachern von Treibhausgasen in Deutschland. Und manchmal ist der Preis noch sehr viel höher: Menschen bezahlen für unsere Mobilität mit ihrer Gesundheit – und manche sogar mit ihrem Leben.
Damit sind für mich drei zentrale Herausforderungen moderner Mobilität beschrieben: Sie muss bezahlbar sein. Sie muss klimaverträglich sein. Und vor allem muss sie sicher sein“ erläuterte Rudolph den aktuellen Stand
Die entscheidende Frage lautete für ihn: Wie schaffen wir Mobilität, die Teilhabe ermöglicht, ohne dass ihr Preis zu hoch wird?
Rudolph weiter: „Für uns im ACE ist klar: Mobilität muss für alle bezahlbar bleiben. Insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen sind auf verlässliche und bezahlbare Mobilitätsangebote angewiesen, damit gesellschaftliche Teilhabe gesichert bleibt. Der ACE setzt sich deshalb für sozial ausgewogene Entlastungen ein. Den Ausstieg aus der fossilen Abhängigkeit gilt es zugleich entschlossen und sozial gerecht voranzubringen. Dazu gehört der konsequente Ausbau erneuerbarer Energien, eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen für die zügige Elektrifizierung des Verkehrs“
Anschließend ging der Referent auf drei zentrale Aspekte genauer ein: Bezahlbarkeit, Sicherheit und Klimaschutz. Autofahren ist zuletzt im Schnitt deutlich teurer geworden. Laut dem Statistischen Bundesamt stiegen die im Kraftfahrer-Preisindex zusammengefassten Kosten rund ums Auto zwischen 2020 und 2025 um 31,2 Prozent – und damit erheblich stärker als die Verbraucherpreise insgesamt mit 21,9 Prozent.
Besonders kräftig verteuerten sich Kfz-Versicherungen mit 63 Prozent, Gebrauchtwagen mit 45,3 Prozent sowie Fahrschule und Führerscheingebühren mit 42,7 Prozent. Auch Kraftstoffe kosteten 2025 im Durchschnitt 37,5 Prozent mehr als noch 2020. Hinzu kommen deutlich gestiegene Ausgaben etwa für Reparaturen, Inspektionen und Ersatzteile.
Und diese Zahlen bilden die aktuelle Entwicklung noch gar nicht vollständig ab: Die jüngsten Kraftstoffpreissteigerungen infolge des Irankonflikts sind in den Daten für 2025 noch nicht berücksichtigt. Für viele Haushalte dürfte sich der Kostendruck bei der individuellen Mobilität damit inzwischen noch einmal erhöht haben.
Die Preise für Bahnfahrten im Nahverkehr erhöhten sich zwischen 2020 und 2025 um 20,1 %. Die Preise für Bahnfahrten im Fernverkehr lagen 2025 etwa auf dem Niveau von 2020 (+0,5 %). Dagegen sanken die Preise für kombinierte Tickets für Bahn, Bus und Ähnliches (-8,0 %) – insbesondere durch die Einführung des Deutschlandtickets im Mai 2023.
Mobilität ist für private Haushalte ein erheblicher Kostenfaktor. Im Jahr 2023 gaben Haushalte durchschnittlich 361 Euro im Monat für Verkehr aus – das entsprach knapp 12 Prozent ihrer gesamten Konsumausgaben. Nach Wohnen und Lebensmitteln war Mobilität damit der drittgrößte Ausgabenblock. Damit fließt mehr als jeder zehnte Euro, den private Haushalte für ihren Konsum ausgeben, in ihre Mobilität.
Zum „Thema Klimaschutz“ führte er aus, dass mit rund 20 Prozent der Treibhausgasemissionen der Verkehrssektor zu den größten Klimatreibern in Deutschland zählt. Damit Deutschland seine Klimaziele erreicht müssen die Emissionen in allen Bereichen sinken – auch im Verkehr. Doch seit Jahren gelingt es nicht, die Emissionen in diesem Sektor wie geplant zu senken. Aktuelle Prognosen warnen vor einer erheblichen Klimaschutzlücke, die ohne zusätzliche Anstrengungen nicht zu schließen sein wird. Der ACE tritt daher als mahnende Stimme auf, die konsequent auf die Einhaltung der nationalen und internationalen Klimaschutzziele drängt. Dabei bringen wir Klimaschutz stets mit sozialer Gerechtigkeit und den alltäglichen Mobilitätsbedürfnissen der Menschen zusammen. Dies basiert nicht zuletzt auf dem Beschluss seiner Mitglieder auf der 18. Hauptversammlung 2023 (Antrag 201).
Der ACE-Vorsitzende ging ausführlich auf die in der Bevölkerung sehr oft emotional diskutierte Verkehrssicherheit ein. Es gibt einen Preis der Mobilität, der sich weder in Euro noch in Tonnen CO₂ ausdrücken lässt: den Preis, den Menschen mit ihrer Gesundheit oder ihrem Leben bezahlen. 2025 starben 2.832 Menschen auf Deutschlands Straßen – rund acht Menschen jeden einzelnen Tag. Weitere 49.200 Menschen wurden schwer verletzt.
„Hinter diesen Zahlen stehen keine abstrakten Statistiken. Es stehen Menschen dahinter, Familien, Freunde und Kollegen. Ein schwerer Verkehrsunfall kann innerhalb weniger Sekunden ein Leben beenden – und viele weitere für immer verändern.
Und vielleicht haben wir uns zu sehr daran gewöhnt: Was uns bei einem einzelnen schweren Unglück erschüttert, nehmen wir im Straßenverkehr häufig als alltägliche Realität hin“ so ein sichtlich berührter Familienvater als Verkehrsteilnehmer.
Rund 3.000 Tote im Jahr dürfen aber keine Normalität sein.
Dabei ist die jüngste Entwicklung der Unfallzahlen besorgniserregend. Bis 2030 soll die Zahl der Verkehrstoten um 40 Prozent sinken, zugleich soll es weniger Schwerverletzte geben. Tatsächlich jedoch ist die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten zuletzt wieder gestiegen und bewegt sich seit Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau. Die aktuellen Unfallzahlen zeigen keine Dynamik nach unten – insbesondere für Zufußgehende und Radfahrende bleiben die Unfallgefahren hoch.
Der Vorsitzende fasste die „ACE-Forderungen an die Politik“ wie folgt zusammen: Wie ist nun also umzugehen mit dem Anspruch, Mobilität sicher und klimafreundlicher zu gestalten und ihn gleichzeitig bezahlbar zu halten. Hier können enorme Zielkonflikte drohen.
In einem „8 Punkte Katalog“ erläuterte er im Einzelnen, die ACE-Forderungen und sah vor allem das Zusammenspiel als den richtigen Weg an. Dabei ist es das Ziel, beim Abwägen der Maßnahmen, maximale Treibhausgase einzusparen bei möglichst geringer Belastung des Staatshaushalts und der individuellen Portemonnaies. Zugleich ist die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Dabei sind dem ACE Familien, junge Menschen und Haushalte mit geringem Einkommen besonders wichtig.
1. Der kurzzeitig eingeführte Tankrabatt war wenig zielgenau, insbesondere für Haushalte mit geringem Einkommen. Auch eine diskutierte weitere Erhöhung der Pendlerpauschale würde zwar vielen Pendlerinnen und Pendlern helfen, erreicht aber nicht gezielt Menschen mit geringem Einkommen, welche die aktuelle Preisentwicklung besonders stark trifft. Aufgrund ihres höheren Grenzsteuersatzes profitieren Besserverdienende relativ gesehen stärker von der Pendlerpauschale.
Stattdessen schlägt der ACE die Einführung eines unabhängig vom genutzten Verkehrsmittel gezahlten Mobilitätsgeldes vor. Statt einer steuerlichen Entlastung wäre eine direkte Auszahlung pro Kilometer sinnvoll. Damit würden im Vergleich zur Pendlerpauschale untere Einkommensklassen stärker entlastet.
Der ACE fordert zudem beim Deutschlandticket übertragbare Familientickets und ein bundesweites ÖPNV-Sozialticket für Menschen mit geringem Einkommen. Die Einführung eines dauerhaften Sozialtarifs beim Deutschlandticket wäre für Menschen mit geringem Einkommen eine deutliche Entlastung. Außerdem hat es positive Lenkungseffekte hin zu einer vermehrten Nutzung des ÖPNV, was dem Klima hilft.
Die vom ACE seit langer Zeit geforderte Wiedereinführung der E-Auto-Förderung war zwar ein wichtiger Schritt, allerdings ist eine sozial gerechtere Ausgestaltung der Förderung notwendig. Der ACE kritisiert insbesondere, dass mit der hohen Preisobergrenze auch teure Fahrzeuge gefördert werden. Stattdessen sollten gezielt bezahlbare Modelle (z. B. unter 35.000 €) sowie insbesondere auch gebrauchte E-Autos einbezogen werden, um mehr Menschen den Zugang zu ermöglichen.
Der ACE unterstützt Forderungen nach einer Stromsteuersenkung für alle. Sie würde unmittelbar wirken und zugleich den Umstieg auf Elektroautos vergünstigen. Zugleich könnte damit die Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen sinken und sich der Preisdruck reduzieren.
Für die meisten Menschen in Deutschland ist es wichtig, einen Führerschein zu besitzen. Eigenständig einen Pkw oder ein Motorrad fahren zu dürfen, ist für viele Menschen der Schlüssel, um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Der Erwerb der Fahrerlaubnis muss daher – auch im gesellschaftlichen Interesse – erschwinglich bleiben. Der ACE bringt sich daher intensiv in die aktuelle Debatte zur Führerscheinreform ein und fordern zum Beispiel einen Mobilitätszuschuss für junge Menschen.
Der ACE fordert konkret, die Vision Zero als Leitbild für das gesamte Verkehrsrecht im Straßenverkehrsgesetz zu verankern. Eine der prominenten Forderungen ist, ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen einzuführen, um das Risiko für schwere Unfälle und Todesfälle zu reduzieren. Ein solches Tempolimit würde zudem laut Berechnungen des Umweltbundesamtes rund 600 Millionen Liter Kraftstoff pro Jahr einsparen. Nur auf Freiwilligkeit zu setzen und ohne klare Vorgabe bleibt das Einsparpotenzial ungenutzt oder stark begrenzt. Ein Tempolimit würde hingegen flächendeckend wirken und sicherstellen, dass besonders spritintensive Fahrten mit sehr hohen Geschwindigkeiten reduziert werden. Dadurch ließe sich der Kraftstoffverbrauch insgesamt messbar senken.
Angesichts der Energiekrise gewinnt zudem der Ausbau des Radverkehrs noch mehr an Bedeutung, weil er eine kostengünstige und sofort verfügbare Alternative zum Auto darstellt. Um diese Wirkung zu entfalten, braucht es vor allem eine schnelle Verbesserung der Infrastruktur. Sichere und durchgängige Radwege, bessere Verknüpfung mit dem öffentlichen Nahverkehr sowie ausreichend Abstellmöglichkeiten (ggf. Verweis auf Ergebnisse der Clubaktion zur Europäischen Mobilitätswoche 2026) erhöhen die Attraktivität und bewegen mehr Menschen zum Umstieg, was ihre individuellen Mobilitätskosten senkt und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen reduziert. Die Verbesserung der Verkehrssicherheit für Radfahrende und Zufußgehende ist also zugleich eine wichtige Maßnahme für den Klimaschutz.
Jeder Mensch soll Zugang zu erschwinglicher und klimafreundlicher Mobilität haben, unabhängig vom Wohnort. Um dieses Ziel zu erreichen sind der Ausbau und die Modernisierung des ÖPNV sowie innovative Konzepte zur Vernetzung von Mobilitätsangeboten zwischen städtischen und ländlichen Regionen notwendig. Nach der Tarifrevolution durch das D-Ticket muss nun die Angebotsrevolution folgen: Ohne Angebotsausbau und Modernisierung der Infrastruktur wird es schwer, mehr Menschen zum Umstieg zu bringen. Es braucht ein zuverlässiges, günstiges, schnelles, regelmäßiges, barrierefreies und vor allem aufeinander abgestimmtes Bahn- und Busangebot.
In seinem Schlusswort stellte Rudolph fest: „Diese vorgenannten 8 Punkte zeigen vor allem eines: Die eine Maßnahme, die alle Herausforderungen unserer Mobilität löst, gibt es nicht. Entscheidend ist das Zusammenspiel.
Denn Verkehrspolitik ist voller Wechselwirkungen. Eine Maßnahme, die Mobilität klimafreundlicher macht, muss auch daraufhin betrachtet werden, was sie für Bezahlbarkeit und gesellschaftliche Teilhabe bedeutet. Eine Maßnahme für mehr Verkehrssicherheit darf nicht isoliert von ihren Auswirkungen auf Akzeptanz und Mobilitätsmöglichkeiten gedacht werden. Und günstige Mobilität allein ist noch keine nachhaltige Mobilität.
Wir müssen deshalb aufhören, Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Verkehrssicherheit gegeneinander auszuspielen. Gute Verkehrspolitik muss diese Ziele zusammendenken – und bei jeder Maßnahme die Wechselwirkungen im Blick behalten.“
Am Anfang stand die Frage: Welchen Preis bezahlen wir für unsere Mobilität? Das Ziel sollte nicht sein, weniger Teilhabe durch weniger Mobilität zu ermöglichen. Sondern Mobilität so zu gestalten, dass ihr Preis für den Einzelnen, für das Klima und vor allem für die Menschen so gering wie möglich wird. Denn Mobilität bedeutet Teilhabe. Und diese Teilhabe muss bezahlbar, klimaverträglich und sicher sein.
In der anschließenden Diskussionsrunde stellte sich heraus, dass der ACE die Mitglieder tatkräftig unterstützt und in den im Herbst anstehenden Kreis- und Regionalkonferenzen sowie zur Hauptversammlung im kommenden Jahr viele Anträge – insbesondere zur Verkehrssicherheit und den Treibstoffpreisen – zur Beschlussfassung in Vorbereitung sind.
Die Kreiskonferenz mit Neuwahlen für den Kreis Main-Kinzig und Wetterau findet am Mittwoch, den 28. Oktober 2026 in der Rodenbachhalle in Niederrodenbach statt. Dazu sind alle Mitglieder herzlich eingeladen. Die Mitglieder erhalten in den nächsten Wochen eine Einladung mit Tagesordnung per @-mail zugesandt.


Quelle: Anton Hofmann

