„Treffen sich zwei Kässeler, zwei Heester und zwei Wäddemer und hecken zusammen etwas aus – das ist doch schon ein Fall für die Geschichtsbücher“, betonte Stefan Klöckner aus Biebergemünd-Kassel. Gemeinsam mit fünf weiteren Männern aus Gelnhausen-Höchst und Biebergemünd-Wirtheim eröffnete er vergangene Woche den neuen Glaubensweg, der die drei Ortschaften miteinander verbindet.
Das ganze Jahr stand bereits im Zeichen des 1050-jährigen Jubiläums der ersten urkundlichen Erwähnung der drei Gemeinden. Nach mehreren Vorträgen, Führungen, Ausstellungen und ganz vielen Feiern sollte die Eröffnung des Glaubensweg den Abschluss des Jubiläumsjahres bilden. So standen bei nieseligem Herbstwetter mehr als 40 Wanderer vor der Wirtheimer Kirche St. Peter und Paul und lauschten dem Pilgersegen von Pfarrer Karl-Peter Aul sowie den Worten von Mitinitiator Wolfgang Günther: „Glaubt ja nicht, dass die in den letzten Jahrhunderten immer schönes Wetter hatten.“
Die Freude stand den meisten ins Gesicht geschrieben, als sie nach weniger als einer Stunde im Bürgertreff Kassel eintrafen. Musikalisch wurde es dort mit Niko Maiberger vom Erkberg Trio Quartett. Mit selbst verfassten Liedern im „Kässeler Platt“ möchte die Band nicht nur zum Erhalt dieses Kulturgutes beitragen, sondern auch gute Laune verbreiten, was unter anderem mit dem „Hefeklöß-Rock“ wunderbar gelang.
Äußerst lustig ging es dann beim „Blick in den Himmel“ zu. Drei als Himmelsbewohner gewandete Damen unterhielten das Publikum mit Anekdoten aus dem Ort und tauschten sich darüber aus, wer denn nun wohin „geheiert“ habe. Das Schauspiel mündete in dem Dialog: „Woher weißt du denn das alles?“ – „Das macht doch heute alles die KI.“ – „KI? Was ist das denn?“ – „Na, das ist doch die Schwester vom Heiligen Geist – die Katholische Intelligenz!“
An der nächsten Station gesellte sich Christian Litzinger, Bürgermeister von Gelnhausen, zu den Wanderern und hob die besondere Bedeutung der 1050-jährigen gemeinsamen Geschichte hervor, bevor Pfarrer Andreas Schweimer von der Pfarrei St. Raphael Gelnhausen in kurzen Worten von seiner eigenen Pilgererfahrung berichtete: „Ich war drei Wochen auf dem Jakobsweg unterwegs und als ich vorher meinen Rucksack gepackt habe, da musste ich schon genau überlegen, was nehme ich mit und was lasse ich da. Und so kann es auch im Leben gehen, was ich wichtig und wert, daran festzuhalten, und was kann ich getraulich loslassen.“
Schließlich gab es noch eine musikalische Unterhaltung mit Fernsicht, bevor die Wanderer dann nach mehr als zwölf Kilometern an einem ereignisreichen Tag zu Abschlussandacht und gemütlichem Ausklang im Wirtheimer Pfarrhof eintrafen.
Niemand hatte sich verlaufen, denn die Ideengeber des Weges, Josef Acker, Volker Gudera, Horst Günther, Wolfgang Günther, Stefan Klöckner und Jochen Künzinger, hatten diesen auch mit selbst gestalteten Wegemarkierungen versehen. Unterstützt wurden sie dabei vom traditionsreichen „Spessartbund“, der sich seit mehr als hundert Jahren um die Instandhaltung und Betreuung der Wanderwegemarkierungen im gesamten Spessart kümmert.
Auf welcher Höhe bringt man eine Markierung am besten an? Was ist ein Beruhigungszeichen? Und warum müssen die Nägel zur Befestigung regelmäßig gelockert werden? – all das und vieles mehr lernten die sechs in einer Online-Schulung und später ganz praktisch mit Regionalmanager Jürgen Fleßenkämper vom Spessartbund. Dieser schätzt an dem neuen Rundweg vor allem den Abwechslungsreichtum mit Historie, Landschaft sowie Ausblicken und hatte am Eröffnungstag sogar noch eine weitere Idee: „Eigentlich könnten wir doch im nächsten Frühjahr den Weg noch einmal laufen – diesmal aber bei schönerem Wetter.“
Quelle: Sabine Graf

