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Gemeinsame Wurzeln, neue Verbindungen

Wolgadeutsche Delegation aus Argentinien besucht Gelnhausen

Er ist über den Atlantik geflogen und so ein Stück weit zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: Gemeinsam mit einer Delegation wolgadeutscher Vertreter hat Mario Sokolovsky, Bürgermeister der Gemeinde Valle María aus Argentinien, seinen Amtskollegen Christian Litzinger in Gelnhausen besucht. Ziel war es, bestehende Kontakte in die Bundesrepublik auszubauen und den Austausch zwischen Deutschland und den deutschstämmigen Gemeinden in Südamerika zu stärken.

Als die zwölfköpfige Delegation wolgadeutscher Vertreter im Gelnhäuser Rathaus eintrifft, gibt es erst einmal ein Glas Sekt aus der Partnerkommune Renchen. Partnerschaften unterhält die Barbarossastadt seit Langem auch mit der Stadt Clamecy in Frankreich und der Gemeinde Marling in Südtirol. „Die Pflege von internationalen Freundschaften und die europäische Vernetzung sind für Gelnhausen eine Herzensangelegenheit“, erläutert Rathauschef Christian Litzinger seinen Besuchern. Zu ihnen gehört Mario Santiago Sokolovsky, seit 2019 Bürgermeister von Valle María in der argentinischen Provinz Entre Ríos. Mitgebracht hat er Darío Roberto Wendler, Kultur- und Tourismuskoordinator von Valle María und zudem Forscher und Vermittler der Geschichte der Wolgadeutschen. Beide engagieren sich unter anderem für die Förderung der deutschen Sprache und Kultur sowie für den Bildungs- und Jugendaustausch in ihrer Gemeinde. Bereits 2019 wurde eine Städtefreundschaft zwischen Valle María und der hessischen Gemeinde Meinhard besiegelt. Jetzt wollen Sokolovsky und Wendler weitere Möglichkeiten für Kooperationen ausloten.

Wolgadeutsche sind Nachfahren deutschsprachiger Siedler, die sich seit dem 18. Jahrhundert an der Wolga im damaligen Russischen Reich niederließen. Als sich ihre Lebensbedingungen dort im 19. Jahrhundert zunehmend verschlechterten und bisherige Privilegien eingeschränkt wurden, wanderten viele Familien aus. Ein Teil von ihnen fand ab den 1870er-Jahren in Argentinien eine neue Heimat. Zu ihnen gehörten auch die Vorfahren von Mario Santiago Sokolovsky und Darío Roberto Wendler.

Die beiden sind nicht allein nach Gelnhausen gekommen. Zur Delegation gehören auch Vertreter der gemeinnützigen Organisation Riwwel, die sich für die Vernetzung von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern sowie der russlanddeutschen Gemeinschaft einsetzt und die die Fahrt organisiert hat. Für Sokolovsky und Wendler ist Gelnhausen die letzte Station ihrer 16-tägigen Reise nach Deutschland, die sie unter anderem nach Berlin und München geführt hat. Im Gespräch mit Bürgermeister Christian Litzinger berichten sie über ihren Einsatz für die Pflege der wolgadeutschen Kultur in Argentinien.

Unter anderem unterstützt Sokolovsky Sprachprojekte, den Jugend- und Kulturaustausch sowie die Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen und Vereinen. Wie er in Gelnhausen erläutert, versteht er seine Gemeinde auch als aktiven Partner für neue deutsch-argentinische Begegnungen. Darío Roberto Wendler gründete das Regionalmuseum „Hilando Recuerdos“ und das Kulturhaus „Morada del Volga“ und veröffentlicht Beiträge zur regionalen Geschichte der Wolgadeutschen. Zudem engagiert er sich im internationalen Netzwerk „Warum Nicht“, das insbesondere junge Nachkommen der Wolgadeutschen für ihre Geschichte, Kultur und Sprache begeistern möchte. Zu seinen Anliegen gehört der Erhalt der wolgadeutschen Sprachtradition, die in Entre Ríos seit 2025 als immaterielles Kulturerbe der Provinz anerkannt ist und unter anderem auf hessischen, pfälzischen und rheinfränkischen Dialekten beruht. Eine Kostprobe davon verstehen die Gastgeber in Gelnhausen auch ohne Dolmetscher mühelos: „Mir kenne plaudere.“

Beide laden Bürgermeister Christian Litzinger offiziell ein, Valle María zu besuchen. Und sie haben auch schon einen passenden Termin: 2028 wird in Argentinien das 150-jährige Jubiläum der Einwanderung der Wolgadeutschen gefeiert. Sokolovsky hat noch einen weiteren Grund, seinem Amtskollegen die Reise schmackhaft zu machen: „Es gibt auch gutes Bier bei uns.“ Unabhängig davon sehen beide Seiten zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine fruchtbare Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene.

Bürgermeister Christian Litzinger freut sich über den Besuch aus Südamerika: „Die Geschichte der Wolgadeutschen verbindet Kontinente. Der Austausch mit Städten und Gemeinden in Deutschland kann ihnen dabei helfen, ihr kulturelles Erbe zu erhalten. Gerade für die jüngere Generation ist es wichtig, ihre Herkunft und ihre Familiengeschichte zu entdecken.“ Davon, sagt der Rathauschef, profitieren Bildung und Erinnerungskultur. Zugleich stärke der Austausch das gegenseitige Verständnis. „Besonders schön ist es, dass ein solcher internationaler Dialog nicht nur die Rückschau fördert, sondern auch neue Freundschaften und Kooperationen möglich macht. Und deshalb hoffe ich, dass wir bald noch mehr über Valle María erfahren werden.“

Einen besonderen Dank spricht Litzinger der Stadtverordneten Olga Martens aus, zugleich Vorsitzende des Vereins Sprach- und Partnerschaftsinitiative in Gelnhausen und stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen Hessen, die den Besuch vermittelt hatte.

Quelle: Stadt Gelnhausen

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