Auszeichnung der Beiträge des 1. Maintaler Jugendfilmwettbewerbs – Platz eins für „Changes”
Es liegt ein ganz besonderer Zauber über einem solchen Abend. Nach und nach treffen die Filmemacher*innen und Zuschauer*innen des 1. Maintaler Jugendfilmwettbewerbs im Kinder- und Jugendhaus Bischofsheim ein. Man merkt den Teilnehmenden die Nervosität an. Schließlich wird die Jury an diesem Abend auch bekannt geben, wer den Wettbewerb gewonnen hat. Aber das alleine ist nicht der Grund für die Aufregung. Vor allem sollen an diesem Abend die Filme erstmals einem großen Publikum gezeigt werden.
Es ist das eine, sich einen Film auszudenken, an einem Drehbuch zu schreiben, den Film zu drehen und schließlich zu schneiden. Aber es ist etwas völlig anderes, diesen Film mit anderen zu teilen und damit ein Stück von sich selbst preiszugeben. Denn genau das haben die Jugendlichen, die am Filmwettbewerb teilgenommen haben, getan. Unter dem Motto „Unsere gemeinsame Zukunft“ haben sie Filme eingereicht, die sich oft sehr persönlich mit dem Thema auseinandersetzen. Es geht um Ängste, Wünsche, Hoffnungen – mal humorvoll, mal dramatisch und immer authentisch.
Begrüßt wurden die Filmemacher*innen und das Publikum vom Ersten Stadtrat Karl-Heinz Kaiser, Dominik Hilfenhaus-Anda vom Fachdienst Kulturelle Bildung und von Tufan Yomolcay vom Kinder- und Jugendhaus Bischofsheim. Und dann ging es auch schon los. An jeden Filmbeitrag schloss sich ein kurzes Filmgespräch mit den Macher*innen an, in dem diese ausführlich erläutern konnten, was ihnen bei den Filmen wichtig war.
Die Themen der Filme waren vielschichtig. Zukunft wurde aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet. In dem sozialkritischen Film „Unsichtbare Grenzen“ zum Beispiel erzählen die Schülerinnen Elisabeth, Rafailia und Haoqi Maya von zwei jungen Mädchen, deren Lebenswege durch unterschiedliche Startbedingungen bestimmt werden. Während die eine einen Praktikumsplatz über die Eltern bekommt, die praktischerweise den Chef der Praxis kennen, kann die andere eben nicht auf ein solches Netzwerk zurückgreifen. Entsprechend entwickelt sich auch die berufliche Zukunft der beiden. Was dann folgt ist ein Wunsch: Was wäre, wenn die beiden die gleiche Ausgangslage hätten? Oder wenn es diese sozialen Grenzen gar nicht erst gäbe? In der letzten Szene sitzen die beiden gemeinsam am Mainufer, ihr Leben selbstbestimmt führend, ungeachtet jeglicher „unsichtbarer Grenzen“.
Der Film „Das Gerichtsverfahren aus der Zukunft“ erzählt eine ganz andere Geschichte. Eine junge Frau wird plötzlich auf der Straße festgenommen und muss sich in einem Gerichtsverfahren in der Zukunft stellen. Sie ist angeklagt, nicht weil sie zukünftig eine Straftat begeht, sondern weil sie nichts tat, als andere beleidigt wurden, als es wichtig war, sich für unseren Planeten einzusetzen. Der Film lässt die Zuschauer*innen jedoch nicht mit dieser deprimierenden Aussicht zurück. Er endet damit, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist. Es ist noch nicht zu spät, sich einzusetzen, sich für andere stark zu machen.
Mit „Unsere gemeinsame Zukunft beginnt, wenn wir zuhören“ lieferte der Wahlpflichtkurs des Jahrgangs 8 der Erich Kästner-Schule ebenfalls einen beeindruckenden Beitrag ab. Der Film, pädagogisch begleitet von den Lehrerinnen Meryem Yesilova und Katrin Schumann, ist eine filmische Collage, die Schüler*innen der Kästnerschule in ihrem Schulalltag zeigt. Wer hört wem eigentlich zu? Wer wird überhaupt gehört? Thematisch verbunden werden die Bilder teilweise durch einen Rap Song, teilweise durch einen Prosatext, der von einem der Schüler eindringlich vorgetragen wird. Der Text und Film endet mit den Worten: „Unsere gemeinsame Zukunft beginnt nicht dann, wenn alle dasselbe denken, sondern dann, wenn wir lernen, einander ernst zu nehmen.“
Einen eher spielerischen, humorvollen Ansatz verfolgte der Film „Changes“ von Simone Lukas, Philipp und Valentin. Hier stellte sich die Frage, wie man damit umgehen soll, wenn das Handy einmal nicht da ist und wir uns ohne digitale Hilfe in der analogen Welt bewegen müssen oder, um es mit dem Film selbst zu sagen: Können wir ohne youtube-Tutorial eigentlich noch ein Ei backen? „Changes“ geht aber auch über diese humorvollen Alltagsbeobachtungen hinaus und findet in Begegnungen mit anderen Menschen und in aufrichtigen Gesprächen mit diesen eine starke Alternative zur digitalen Vereinzelung.
Nachdem alle Beiträge gezeigt und gefeiert wurden, verkündete die Jury, bestehend aus professionellen Filmemacher*innen und Jugendlichen, das Ergebnis. „Unsichtbare Grenzen“ belegte den dritten Platz, „Das Gerichtsverfahren aus der Zukunft“ den zweiten Platz und „Changes“ den ersten Platz. Die Jugendlichen konnten sich über Geldpreise in Höhe von 300, 200 und 100 Euro freuen, die von der Sparkassenstiftung Hanau gesponsert wurden. Der Beitrag des Erich Kästner-Schule erhielt eine lobende Erwähnung.
Der 1. Maintaler Jugendfilmwettbewerb geht damit erfolgreich zu Ende. Viele der Teilnehmer*innen wollen auch bei der nächsten Ausgabe wieder dabei sein. Der Wettbewerb ist damit zu einer Plattform geworden, über die Jugendliche ihre Sicht auf die Welt filmisch zeigen können.
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Quelle: Stadt Maintal

