StartHessenWenn die Grasnarbe unter der langen Trockenheit leidet

Wenn die Grasnarbe unter der langen Trockenheit leidet

Überwuchs, kaputte Grasnarbe oder „wilde Rampe“: Um den Hochwasserschutz zu
gewährleisten und mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen, führt das
Regierungspräsidium (RP) Darmstadt jedes Jahr Deichschauen an den hessischen
Rhein- und Maindeichen durch. Dabei prüft das zuständige Dezernat „Staatlicher
Wasserbau“ den Zustand der Deiche vor Ort. Das Ergebnis der jüngsten
Untersuchungen: Größere Schäden haben die RP-Mitarbeitenden nicht festgestellt.
Allerdings setzt die zunehmende Trockenheit der Grasnarbe zu. Hier sucht das
Dezernat gemeinsam mit der ebenfalls beim RP angesiedelten Oberen
Naturschutzbehörde bereits nach Lösungen, um die Grasnarbe widerstandsfähiger
gegen Hitze und Trockenheit zu machen.
Bei der jährlichen Deichschau prüft das RP gemeinsam mit den Kreisen, Kommunen
und Verbänden den ordnungsgemäßen Zustand und die Funktionsfähigkeit der
Deiche. Ergänzend dazu führen sie an allen Landesdeichen regelmäßig
Streckenkontrollen durch. Insgesamt stehen in Hessen 120 Kilometer Rheindeiche und
50 Kilometer Maindeiche unter der Aufsicht des RP Darmstadt. Ziel ist es, mögliche
Schäden und Schwachstellen frühzeitig zu erkennen, bevor sie bei einem Hochwasser
zur Gefahr werden. Oberstes Ziel ist es, den Hochwasserschutz dauerhaft
sicherzustellen.
Häufig stellen die Fachleute fest, dass Hecken und Bäume von angrenzenden
Grundstücken aus in die Deichböschung ragen. Bleibt der notwendige Rückschnitt aus,
können die Gehölze zunehmend in die Böschung hineinwachsen. Auch sogenannte
„wilde Rampen“ oder Trampelpfade schaden den Deichen. Die Deichmeisterei des RP
beseitigt solche Schäden regelmäßig. Durch die Freizeitnutzung entstehen jedoch oft
neue Trampelpfade. Sie beschädigen die Grasnarbe und können tiefe Spuren im Deich
hinterlassen.
Eine beschädigte Grasnarbe zählt zu den schwerwiegendsten Schäden an einem
Deich. Im schlimmsten Fall kann ein stark beschädigter Bewuchs dazu führen, dass ein
Deich einem Hochwasser nicht standhält. Neben wilden Rampen kann auch große
Hitze die Grasnarbe schädigen und den Bewuchs stark zurückgehen lassen. Die
Grasnarbe ist ein wesentlicher Bestandteil der erosionssichernden Oberfläche. Bei
Hochwasser schützt sie den Deichkörper vor Bodenabtrag durch Strömung und

Wellenschlag. Ihre Wurzeln stabilisieren zusätzlich die oberflächennahe
Bodenschicht. Eine geschlossene, intakte Grasnarbe ist daher von besonderer
Bedeutung für die Deichsicherheit.
„Unsere Deiche müssen vielen Belastungen standhalten“, betont Jakob Fechter vom
Dezernat Staatlicher Wasserbau beim RP und ergänzt: „Eine gesunde Grasnarbe ist
dabei besonders wichtig, denn sie schützt den Deich bei Hochwasser. Die
zunehmenden langen Trockenheitsphasen als Folge des Klimawandels machen uns
allerdings große Sorgen. Deshalb suchen wir nach Lösungen, damit die Grasnarbe
auch zukünftig widerstandsfähig bleibt.“
Mit dabei sind auch die Anliegerkommunen, Wasserstraßen- und
Schifffahrtsverwaltung des Bundes, örtliche Wasserverbände, Hessen-Forst, die
Unteren Wasserbehörden des jeweiligen Landkreises und teilweise anliegende
Industriebetriebe. Im Nachgang zur Deichschau werden für jedes Deichsystem
Protokolle mit Fotodokumentation erstellt. Die festgestellten Mängel werden geprüft
und nach ihrer Dringlichkeit eingestuft. Eigentümer, deren Grundstücke direkt an einen
Deich grenzen und deren Hecken oder Bäume in die Böschung hineinwachsen oder die
vorgeschriebenen Mindestabstände unterschreiten, werden anschließend kontaktiert.
Hintergrund: Hochwassergefährdete Gebiete an Rhein und Main
In den Einflussbereichen des hessischen Oberrheins (Hessisches Ried) und des
hessischen Untermains, die eine Fläche von circa 400 Quadratkilometern umfassen,
leben etwa 600.000 Menschen. Dies entspricht rund zehn Prozent der Bevölkerung
Hessens. Eine mögliche Naturkatastrophe, die diese Gebiete bedroht, wäre in erster
Linie eine Überflutung infolge extremer Hochwasserabflüsse des Rheins und des
Mains. Neben der persönlichen Gefährdung könnten Überschwemmungen materielle
Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro verursachen. Die bislang letzten
extremen Hochwasser liegen ungefähr 30 Jahre zurück.
Link: https://rp-darmstadt.hessen.de/umwelt-und-energie/gewaesser-undbodenschutz/
hochwasserschutz/deiche-rhein-main

Quelle: Regierungspräsidium Darmstadt

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