Seit Jahren setzt sich die SPD Brachttal dafür ein, wieder einen Hausarzt in die Gemeinde zu holen. Mit ihren Vorschlägen hat sie vieles angestoßen. Die Umsetzung durch die Gemeindeverwaltung unter Bürgermeister Wolfram Zimmer kommt aber kaum voran. Ab April 2027 sollen Praxisräume angemietet werden, doch nach einem Arzt wird noch immer nicht sichtbar gesucht.
„Die Räume sollen ab April 2027 zur Verfügung stehen. Bis heute ist aber keine Anzeige, kein Eintrag in einer Arztbörse und keine Werbekampagne zu sehen”, kritisiert Beatrix Schmidt-Stieler, Vorsitzende der SPD-Fraktion. „Ohne Arzt zahlt die Gemeinde ab April Miete für leere Räume. Das kann niemand wollen.” Auch im Halbjahresbericht der Gemeinde stehen die eigenen Ziele für Gespräche mit Ärzten und Werbeaktionen bei null.
„Unsere Bürgerinnen und Bürger warten seit Jahren auf einen Hausarzt. Gerade ältere Menschen und Familien mit Kindern sind auf kurze Wege angewiesen”, sagt Jan Luca Woratschek, Vorsitzender der SPD Brachttal.
Die Liste der SPD-Initiativen ist lang. Bereits 2023 beantragte die SPD-Fraktion, dass die Gemeinde gezielt um Hausärzte wirbt. 2024 legte sie den Antrag erneut vor, mit konkreten Vorschlägen: Anzeigen online und in Fachmedien sowie die Anmeldung bei Arztbörsen. 2025 folgten Anträge, den Bedarf an einem Hausarzt beim Regierungspräsidium Gießen anzumelden und ein Stipendienprogramm für angehende Hausärzte zu prüfen. Auf Initiative der SPD wurden zudem geeignete Praxisräume geprüft, und die Gemeindevertretung hat ihre Anmietung beschlossen. Für die Umsetzung der Beschlüsse ist die Gemeindeverwaltung zuständig, die vom Bürgermeister geleitet wird. Sichtbare Ergebnisse der Arztsuche gibt es bis heute nicht.
„Wir haben nicht nur kritisiert, sondern immer konkrete Vorschläge gemacht. Was fehlt, ist die Umsetzung”, so Daniel Goffitzer, SPD-Fraktion.
Um von anderen zu lernen, besuchte eine SPD-Delegation das MVZ Schwarzenborn. Dort war die hausärztliche Versorgung bereits weggebrochen, und das MVZ hat die Patienten zurückgewonnen. Außerdem informierte sich die SPD bei der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Jossgrund. „Ich setze mich seit Jahren dafür ein, dass Brachttal wieder einen Hausarzt bekommt. In Schwarzenborn haben wir gesehen, was möglich ist, wenn eine Gemeinde aktiv auf Ärzte zugeht und sie bei den ersten Schritten unterstützt”, so Prof. Dr. Herbert Woratschek, der die Initiativen der SPD maßgeblich mitangestoßen hat.
David Goffitzer, Medizinstudent und Mitglied der SPD-Fraktion, kennt die Sicht des ärztlichen Nachwuchses: „Junge Ärztinnen und Ärzte wollen im Team arbeiten, oft in Anstellung, und brauchen Unterstützung beim Start. Mit den Praxisräumen hat Brachttal jetzt die Chance, genau das anzubieten. Aber dann muss die Gemeinde auch dort werben, wo junge Mediziner suchen.”
Die SPD wird in der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung fragen, welche Maßnahmen zur Arztgewinnung bis April 2027 geplant sind und wann sie beginnen. „Ein Arzt kommt nicht von allein. Jeder Monat ohne Suche ist ein verlorener Monat. Die Suche muss jetzt beginnen”, so Heiko Wies, SPD-Fraktion.
Quelle: SPD Brachttal

