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StartMKKAusstellung „Behauptung 36 – Positionen ostdeutscher Malerei“ in Rodenbach-Oberrodenbach (Main-Kinzig-Kreis) eröffnet.

Ausstellung „Behauptung 36 – Positionen ostdeutscher Malerei“ in Rodenbach-Oberrodenbach (Main-Kinzig-Kreis) eröffnet.

Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit wurde die Ausstellung „Behauptung 36 – Positionen ostdeutscher Malerei eröffnet. Die an den maßgeblichen Hochschulen und Ausbildungsstätten (Leipzig, Dresden, Halle, Berlin) in den östlichen Bundesländern ausgebildeten Künstler: Elke Albrecht, Julia Tomasi Müntz, Jost Heyder und Mathias Perlet nahmen an der feierlichen Eröffnung in Rodenbach/Oberrodenbach (Main-Kinzig-Kreis) unweit von Hanau teil. Die Künstler und ihre Arbeiten sind eindrucksvoll.

Jost Heyder wurde 1954 in Gera geboren, studierte Malerei und Grafik bei Arno Rink und Bernhard Heisig in Leipzig. Meisterschüler war er bei Gerhard Kettner in Dresden und bei Wieland Förster in Berlin. Expressiver Realismus geprägt von Heisig, Rink, Kettner und Förster: handwerklich meisterlicher Umgang mit Figuration, dynamischem Pinselstrich, emotionale und starke Farbigkeit. Heyder bricht die Realität, transportiert Dichte in seinen phantasievollen Werken. In diesem Jahr eine eindrucksvolle Zusammenstellung seiner typisch verrätselten Welten. „Max B“, schaut zu. Mythologie, Sagenwelten, Anspielungen und Zitate der Kunst im Allgemeinen und Besonderem. Der Betrachter ist gefordert und kann sich seinen Reim bei den Arbeiten „Die Lehrstunde“ und „Flugstunde“ machen. Wer lehrt, wer sagt an, wer regiert und wie wird gedacht in Zeiten von Krieg, Verunsicherung, wenn Mörder, Despoten und Irre die Welt bestimmen und beherrschen wollen? Sind wir alle im freiem Fall? Ist KI der Sargnagel der Menschheit? Sind Fragen, die sich aufdrängen können. Aber Heyder steigt nicht nur in die Niederungen der Menschen hinab. Schönes, Erbauendes ist zu sehen. Südliche stille, introvertierte Landschaften, manchmal mit architektonischen Fixpunkten, Erinnerungsorte der Freude. Innerlichkeit, Besinnlichkeit können empfunden werden bei „Mann mit Hund“ oder beim „Flötenspieler“. Geschichten erzählt auch das Bild „Frau auf der Schaukel“ die zwischen Personen und einem starken Hund, der auf einer Trommel sitzt, schwebt. Ein Traumbild mit verwandeltem Matzerath? Figürliche Szenerien für menschliche Beziehungen. Seit 2020 hat Jost Heyder die Ausstellungsreihe „Behauptung“ wesentlich geprägt.

Mathias Perlet, 1958 in Elgersburg am Nordrand des Thüringer Waldes geboren, absolvierte sein Meisterstudium bei Arno Rink an der Hochschule Grafik und Buchkunst in Leipzig und war Kommilitone von Neo Rauch. Seit 1994 ist er in Leipzig freischaffend tätig. Perlet bedient sich eines hintergründigen Symbolismus und ist in der Leipziger Schule verankert. Er verfremdet die Realität, seine Werke wirken magisch, irritieren bei altmeisterlicher Tradition und extrem präziser Technik: Mit Ei-Tempera und Öl erreichen seine Arbeiten Tiefendimensionen und konfrontieren den Betrachter mit außergewöhnlichen Situationen, die tief in der menschlichen Seele verwurzelt sind. Seine surreale Rätselhaftigkeit regt zum Nachdenken an und verweigert eindeutige Bildbotschaften, er bricht Idylle, erzeugt subtiles Unbehagen, das sich ins Positive auflöst. „Wehrhaftes Schaaf“, ein politisches Statement? Putin hielt die Ukraine für schwach und wehrlos. Welch ein Irrtum. Wie steht es mit Deutschland, mit Europa? „Vergeltung“ und „Kinder an die Macht“ sind Arbeiten, die die „Kleine Arche“ in der gelebt wird, stören kann. Innige Einkehr und Sehnsucht nach dem Glück werden durch „Goldmarie“ kontrastiert oder weist diese Arbeit auf die Höhen des Goldpreis hin? Perlet schafft Gemälde in handwerklicher Perfektion in denen man sich verlieren kann. Es macht Freude seinen psychologischen Chiffren auf die Spur zu kommen und in seine surreal wirkende Gegenständlichkeit einzudringen.

Julia Tomasi Müntz wurde 1964 in Leipzig geboren und hat im Vergleich zu den anderen ausstellenden Künstlern in Bremen ein Studium für Grafik Design an der Hochschule für Künste absolviert. Wechselte 1993 an die Hochschule für Grafik und Buchkunst nach Leipzig und machte 1999 ihr Diplom für Malerei und Grafik bei Rolf Kuhrt. 2000 bis 2002 Meisterschülerin bei Rolf Münzer in Leipzig und später bis 2010 war sie Dozentin für Schriftgrafik in Dresden. Sie lebt in Leipzig und Andalusien. Dieser Werdegang zeigt, sie bewegt sich an der Schnittstelle zwischen traditioneller Leipziger Grafik und freier raumbetonter Malerei.

Ihre Arbeiten können zum Teil als grafische Figuration im Übergang zur Abstraktion empfunden werden, in manchen Beschreibungen findet sich: sie entwickelt eine radikale Abstraktion, gemischt mit Farbfeldmalerei. Das zeichnerisch-grafische Fundament der HGB Leipzig ergibt bei ihr eine Synthese aus starker Linie und aufgelösten, flächigen Formen. Sie löst die dominierende Leipziger Figuration auf in freie, flächige, abstrahierte Form. Ihre Arbeiten leben vom Kontrast zwischen Linie und Geste. Landschaft oder Menschen finden sich oft als flüchtiges, existenzielles Motiv, das im Raum stehen bleibt. Modernisiert sie das grafische Erbe Leipzigs hin zu einer offenen zeitgenössischen Ästhetik? Das großformatige Werk „Schwimmer“ in Öl oder die kleineren Arbeiten zeigen dies. Mal sind die Linien stark konturierend, mal sind sie zart angedeutet und die Phantasie des Betrachtens kann sich entfalten und über ihre Bildlandschaften und Räume sinnend schweifen. Die Empfindungen werden angeregt.

Elke Albrecht ist 1967 in Glashütte (Osterzgebirge) geboren und wuchs in Berlin auf. Ausbildung an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein, Halle. Fünfzehn Jahre lebte sie in New York, studierte an der National School of Fine Arts, New York. Sie erhielt 2015 ein Stipendium der Pollock-Krasner Foundation of New York. Albrecht bricht komplett aus der figürlichen Tradition der anderen drei Positionen. Sie vertritt eine reine, meditative Abstraktion. Das Studium des Modedesigns an der Burg Giebichenstein in Halle hat sie geprägt, dennoch entfernte sie sich von der angewandten Farbigkeit, die häufig dekorativ daherkam. Schnell emanzipierte sie sich und ihre Position ist stark vom amerikanischen Abstract Expressionism und Color Field Painting inspiriert. Ihre reduzierten, zarten Kompositionen setzen auf das Weglassen und die Wirkung von reiner Fläche. Licht und organische Formen – ein direkter, erfrischender Gegenpol zur erzählerischen Leipziger Schule. Dennoch Action Painting wie es Pollock betrieb ist ihr fremd. Ihre Arbeiten überraschen. Zart und leise, sorgfältige Setzungen, gestische Abstraktion kennzeichnen ihr Wirken auf Leinwand, auf Papier. Sie pendelt zwischen Malerei und Grafik in ihrem außergewöhnlichen Werk grandios hin und her. Sensibel und zurückhaltend geht Albrecht mit Farbe um. Ihre Farben Weiß, Blau, Rot signalisieren Ruhe, sind Zeichen ihres Ausdrucks. Flächen werden schemenhaft durch leichte Anspielungen an Körperlichkeit gestaltet. Der Betrachter kann in einen diskreten, achtsamen Dialog eintreten. Subtile Stofflichkeit finden sich in großen wie in kleinen Formaten, das Erlebnis einer inneren Einkehr stellt sich ein. Sie schafft dies durch übermalen, zurücknehmen und negieren. Präzision und Sorgfältigkeit auf höchstem Niveau ist spürbar. Die Fläche wird zu ihrem Raum. Schönes, Einmaliges wird von ihr geschaffen.           Egbert V.F.Erbe

Die Ausstellung in der Villa Bergstraße 50 „Behauptung 36 – Positionen ostdeutscher Malerei“ ist noch zu sehen: FR 9.10.2026 – SO 11.10.2026 jeweils von 13:00 bis 18:00 bei freiem Eintritt. 63517 Rodenbach-Oberrodenbach (Main-Kinzig-Kreis) Nähe Hanau Bergstraße 50 (im Navigationsgerät Bergstraße 48 eingeben)

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Quelle: Egbert V.F. Erbe

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