Mehr als 400 Gäste beim Gesprächsabend des Kulturbeirats im Bürgerhaus Ostheim – Persönliche Erinnerungen, politische Betrachtungen und zahlreiche Anekdoten sorgen für einen kurzweiligen Abend
Ein ausverkauftes Bürgerhaus, ein bestens aufgelegter Gast und ein Publikum, das dem Gespräch bis zum Schluss aufmerksam folgte: Der Kulturbeirat der Stadt Nidderau zieht ein rundum positives Fazit der Veranstaltung „Auf ’ne Currywurst mit Gregor Gysi“. Mehr als 400 Besucherinnen und Besucher waren ins Bürgerhaus Ostheim gekommen, um einen der bekanntesten deutschen Politiker einmal abseits des klassischen parlamentarischen Betriebs zu erleben.
Dabei begann Gysis Besuch in Nidderau schon vor dem eigentlichen Bühnenprogramm durchaus hessisch: Vor der Veranstaltung ließ er es sich nicht nehmen, den ersten „Handkäs mit Musik“ seines Lebens zu probieren. Und auch ein kurzer Abstecher in die Stadt gehörte für ihn unbedingt dazu. Den historischen Windecker Marktplatz wollte Gysi noch vor Veranstaltungsbeginn persönlich sehen – und hielt seinen Besuch dort gleich fotografisch fest. So bekam der Berliner Gast noch vor seinem Auftritt einen kleinen Eindruck von Nidderau und hessischer Lebensart.
Im Bürgerhaus nahm Gregor Gysi anschließend gemeinsam mit Moderator Oliver Schröder das Publikum mit auf eine Reise durch persönliche Erinnerungen, deutsche Zeitgeschichte und mehr als drei Jahrzehnte parlamentarischer Erfahrung. Dabei präsentierte er sich schlagfertig, humorvoll und wortgewandt: Mal nachdenklich, mal pointiert und immer wieder mit einer gehörigen Portion Selbstironie verband er politische Einschätzungen mit Geschichten aus seinem Leben und Begegnungen aus dem nationalen und internationalen Politikbetrieb. Auch sein erster Beruf kam zur Sprache: Bevor Gysi Jura studierte, absolvierte er eine Ausbildung zum Facharbeiter für Rinderzucht. Den Bogen zum späteren Berliner Politikbetrieb schlug er augenzwinkernd selbst: Schließlich habe er es dort auch mit dem einen oder anderen „Hornochsen“ zu tun.
Gerade diese scheinbare Leichtigkeit machte den besonderen Reiz des Abends aus: Historische und politische Zusammenhänge wurden verständlich und anschaulich, ohne belehrend zu wirken. Dazwischen sorgten immer wieder überraschende Geschichten für Heiterkeit. So erzählte Gysi etwa eine Anekdote über den früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi, der der DDR Geld für eine Moschee zur Verfügung gestellt haben soll. Als diese bei einem späteren Besuch noch immer nicht existierte, sei kurzerhand ein Potsdamer Pumpenhaus leergeräumt und unter seiner maurischen Kuppel mit Teppichen in Richtung Mekka ausgestattet worden. Nach Gaddafis Abreise, so Gysis Erzählung, kamen die Maschinen wieder hinein und die Teppiche verschwanden.
Auch die aktuelle deutsche und internationale Politik nahm breiten Raum ein. Gysi äußerte sich unter anderem zu Bundeskanzler Friedrich Merz und griff dabei immer wieder auf seine jahrzehntelange Erfahrung im Deutschen Bundestag zurück. Dort ist er heute das dienstälteste Mitglied; dem Parlament gehört er – mit einer Unterbrechung von 2002 bis 2005 – seit 1990 an.
Viele Persönlichkeiten hat Gysi in dieser Zeit kommen und gehen sehen, viele Entscheidungen und Entwicklungen aus nächster Nähe miterlebt. Entsprechend mangelte es an Ratschlägen nicht. Dass diese nicht immer gefragt seien, kommentierte er mit der für ihn typischen Selbstironie trocken: „Mich fragt ja keiner.“ Überhaupt lebte der Abend von der besonderen Mischung aus politischer Erfahrung, analytischem Blick und persönlicher Anekdote. Gysi sprach über Politik und Privates, über Begegnungen mit Persönlichkeiten der Zeitgeschichte ebenso wie über seine Familie und seinen eigenen Lebensweg. Moderator Oliver Schröder gab mit seinen Fragen immer wieder neue Impulse und ließ seinem Gesprächspartner zugleich genügend Raum für jene Abschweifungen und Geschichten, die den Abend besonders unterhaltsam machten. Rund 90 Minuten lang folgte das Publikum dem Gespräch aufmerksam und reagierte immer wieder mit Lachen und spontanem Applaus.
Für den Kulturbeirat der Stadt Nidderau bestätigt die große Resonanz das Interesse an Veranstaltungen, bei denen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unmittelbar erlebt werden können. Bereits vor zwei Jahren war mit Bundespräsident a. D. Joachim Gauck ein Gast mit einer außergewöhnlichen politischen Biografie in Nidderau zu erleben. Auch der Abend mit Gregor Gysi war restlos ausverkauft und zeigte erneut, dass solche Gesprächsformate beim Nidderauer Publikum auf großes Interesse stoßen.
Quelle: Stadt Nidderau

