Dienstag, Oktober 6, 2026
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„Das Quartier hat seine besten Jahre vor sich”

Rund 70 Menschen informieren sich über Zukunft des Hanauer Hauptbahnhofquartiers / Stadtteil-Spaziergang mit Oberbürgermeister Dr. Bieri zeigt Entwicklungsperspektiven / Bürgerschaft bringt zahlreiche Anregungen ein

Wie sich das Hauptbahnhofquartier in den kommenden Jahren verändern kann: Rund 70 Menschen aus Hanau und Umgebung haben sich beim ersten Stadtteil-Spaziergang über die aktuellen Planungen und Projekte informiert. Oberbürgermeister Dr. Maximilian Bieri begleitete den Rundgang, der an fünf Stationen die unterschiedlichen Entwicklungsperspektiven des Quartiers sichtbar machte.

„Das Hauptbahnhofquartier hat seine besten Jahre vor sich, hier steckt eine bessere Zukunft drin“, sagte Oberürgermeister Dr. Maximilian Bieri den direkten Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Mitgliedern aus städtischen Gremien und weiteren Interessierten. „Wir haben hier die Chance, in den kommenden Jahren vieles neu zu entwickeln und miteinander zu verbinden. Dabei nehmen wir alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer mit, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder im Rollstuhl. Wir schauen genau hin, wo die Stadt zuständig ist und wo andere Akteure gefordert sind, insbesondere die Deutsche Bahn, mit der wir im regen Austausch sind.“

Ausgangspunkt des Rundgangs war der Hauptbahnhofsvorplatz. Dort ging es um die künftige Entwicklung des zentralen Ankunftsortes und die Frage, wie der Bereich attraktiver und besser nutzbar werden kann. Deutlich wurde dabei auch die Bedeutung des Hauptbahnhofs für die gesamte Stadt: Rund 30.000 Pendlerinnen und Pendler nutzen ihn täglich. Der heutige Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) ist für diese Bedeutung zu klein und soll im Zuge der weiteren Entwicklung des Bereichs neu gedacht werden.

Aus der Bürgerschaft kamen zahlreiche konkrete Hinweise: Mehr Bäume und Schatten, Wasserspender sowie bessere Querungsmöglichkeiten für Menschen mit Rollstuhl. Auch Stolperstellen und die Gestaltung des Vorplatzes wurden angesprochen. Ein weiterer Wunsch war ein Parkhaus. Zugleich wurde deutlich, dass bei der Entwicklung des Bahnhofsumfelds zwischen Zuständigkeiten der Stadt und der Deutschen Bahn unterschieden werden muss. Die Sanierung der Unterführung wurde von den Teilnehmenden als guter Schritt bewertet. Gleichzeitig wurde auf fehlende Rolltreppen und Aufzüge hingewiesen.

Hauptbahnhofbrücke verbindet Quartier und Innenstadt

Zweite Station war der Bereich an der Hauptbahnhofbrücke. Der Ersatzneubau der Brücke ist derzeit eines der größten Infrastrukturprojekte der Stadt. Die künftige Verbindung soll die Bedingungen für den Auto-, Rad- und Fußverkehr verbessern und das Hauptbahnhofquartier stärker mit der Innenstadt verbinden. Auch hier brachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Beobachtungen ein. Unter anderem wurde auf die Gestaltung der Begrenzungen und die Gefahr von Vogelschlag hingewiesen: Die Hauptbahnhofbrücke wird mit einem sogenannten Berührschutz ausgestattet, welcher beidseitig der beiden Brückenbauwerke hergestellt wird. Es handelt sich hierbei um eine Schutzeinrichtung gegen die Gefahren aus der Oberleitung der Deutschen Bahn. Der Berührschutz wird standardmäßig transparent ausgeführt, wobei gegen Vogelschlag entweder vertikale oder horizontale Streifen vorgesehen werden. Für die künftige Entwicklung des Quartiers sei entscheidend, dass die Verbindungen für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer funktionieren.

Christuskirche wird zur „Diakoniekirche“

An der Christuskirche erläuterte die stellvertretende Dekanin Ines Fetzer die geplante Entwicklung des Kirchenstandorts. Die Stadtkirchengemeinde hat die bisherige Nutzung der Christuskirche aufgegeben, der Kirchenkreis entwickelt den Standort künftig zur „Diakoniekirche“ weiter. Geplant ist ein Beratungs- und Begegnungszentrum, das soziale Angebote bündelt und zugleich einen öffentlich zugänglichen Treffpunkt im Quartier schafft. Damit soll die denkmalgeschützte Kirche eine neue Rolle als sozialer und gesellschaftlicher Mittelpunkt erhalten.

Heraeus-Quarzglas-Areal: Industriegeschichte wird zum neuen Stadtquartier

Besonders ausführlich wurde die Entwicklung des ehemaligen Heraeus-Quarzglas-Areals vorgestellt. Sebastian Klimmer von Heraeus erläuterte die rund 100-jährige Industriegeschichte des Standorts, die von den Anfängen als Kaffeerösterei über die Produktion von Quarzglas bis hin zur Medizintechnik reicht. Die industrielle Nutzung am Standort endete 2024, die Produktion wurde nach Kleinostheim verlagert. „Hier haben wir in 46 Gebäuden gearbeitet, in Kleinostheim in einem“, so Klimmer.

Der Rückbau auf dem rund 50.000 Quadratmeter großen Areal ist weitgehend abgeschlossen. Drei Gebäude sollen erhalten und in das künftige Quartier integriert werden. Die Gebäude sind derzeit entkernt, die Fassaden sollen erhalten bleiben. Auch unter dem Gesichtspunkt der Kreislaufwirtschaft ist der Rückbau umfangreich. Insgesamt fielen rund 71.000 Tonnen Abbruchmaterial an, davon konnten etwa 66.000 Tonnen wiederverwertet werden. Ziegel und Keramik wurden ebenso in den Stoffkreislauf zurückgeführt wie weitere Materialien. Rund 20.000 Tonnen Material flossen beispielsweise in den Bau der Hauptbahnhofbrücke. Hinzu kamen unter anderem rund 5.000 Tonnen Baumischabfälle und rund 5.000 Tonnen Stahl. Allein die Größenordnung des Abbruchmaterials entspricht ungefähr dem siebenfachen Gewicht des Eiffelturms.

„Das zeigt, dass Rückbau heute auch anders funktionieren kann“, so Sebastian Klimmer. „Wir können große Mengen an Material wiederverwenden und damit Ressourcen schonen.“ Die Abbruchkosten beliefen sich auf rund vier Millionen Euro. Zwei Verdachtspunkte auf Kampfmittel wurden untersucht, ohne dass Funde festgestellt wurden. Rund 20 Prozent des Areals müssen noch abschließend untersucht werden.

Für die Zukunft ist auf dem Gelände ein neues, urban gemischt genutztes und an die Innenstadt angebundenes Quartier vorgesehen. Geplant sind nach aktuellem Stand rund 400 bis 500 Wohneinheiten sowie Flächen für Gewerbe. Auch ein Hotel ist perspektivisch denkbar, geförderter Wohnungsbau ist vorgesehen.

Bei der weiteren Planung sollen zudem Aspekte wie eine Quartiersgarage und neue Wegeverbindungen berücksichtigt werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die neue Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt. Stadtplanungsamt und Heraeus arbeiten gemeinsam an der Entwicklung des Areals; ein Bebauungsplan wird erarbeitet.

Haus rund um das Erwerbsleben als neue Anlaufstelle

Die fünfte Station des Rundgangs war das künftige „Haus rund um das Erwerbsleben“ gegenüber dem Hauptbahnhof. Mit dem geplanten Neubau sollen künftig verschiedene Beratungs- und Dienstleistungsangebote an einem zentralen Standort zusammengeführt werden. Das Jobcenter Hanau, das städtische Sozialamt, das Amt für Wohnhilfen und Rentenangelegenheiten sowie Teile der Volkshochschule Hanau werden hier unter einem Dach Platz finden.

Den Abschluss bildete der gemeinsame Austausch in der Kantine der Hanauer Straßenbahn GmbH. Dort vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Eindrücke.

ISEK soll konkrete Maßnahmen vorbereiten

Der Stadtteil-Spaziergang ist Teil des Beteiligungsprozesses zum Fördergebiet „Transformation Hauptbahnhofquartier“. Im Rahmen des „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts“ (ISEK) werden die unterschiedlichen Entwicklungen des rund 30 Hektar großen Gebiets zusammengeführt.

Der ISEK-Prozess läuft seit dem 1. Januar 2026 über ein Jahr. Auf Grundlage der Bestandsaufnahme und der Beteiligung sollen anschließend konkrete Maßnahmen entwickelt und priorisiert werden. Diese bilden die Grundlage dafür, Fördermittel für die weitere Entwicklung des Quartiers beantragen zu können. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Städtebau, Mobilität, öffentliche Räume, Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und Begrünung.

„Der Spaziergang hat gezeigt, wie viel Wissen und wie viele konkrete Ideen bei den Menschen vorhanden sind, die hier leben, arbeiten oder regelmäßig unterwegs sind“, sagt Dr. Bieri. „Dieses Wissen werden wir in die weitere Planung einbeziehen. Wir wollen gemeinsam dafür sorgen, dass das Quartier künftig gut an die Innenstadt angebunden ist und ein attraktiver Ort für alle wird.“

Online-Beteiligung für alle Interessierten

Ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses ist die Beteiligung der Menschen. Deshalb bietet die Stadt Hanau neben dem Spaziergang auch eine Online-Beteiligung auf https://zukunft-hanau.de/transformation_hauptbahnhofquartier/ an. Hier können sich alle Interessierten von Mitte September bis Mitte Oktober einbringen. Gefragt sind insbesondere Hinweise, Wünsche und Ideen zur künftigen Entwicklung des Hauptbahnhofquartiers.

„Wir wollen möglichst viele Perspektiven in den weiteren Planungsprozess einbeziehen. Deshalb ist die Online-Beteiligung genauso wichtig wie der direkte Austausch vor Ort“, sagt Dr. Bieri.

Hintergrund: Transformation Hauptbahnhofquartier

Das Hauptbahnhofquartier wurde 2025 in das Städtebauförderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ aufgenommen. Das rund 30 Hektar große Fördergebiet umfasst im Wesentlichen das Areal nordöstlich des Hauptbahnhofs zwischen Dettinger Straße und Heideäcker. Die Stadt kalkuliert aktuell mit rund 18 Millionen Euro an förderfähigen Ausgaben im Rahmen des Förderprogramms über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren. Die endgültige Abgrenzung des Fördergebiets wird im Rahmen des ISEK festgelegt.

Die Entwicklung des Quartiers vereinigt zentrale Vorhaben der Hanauer Stadtentwicklung. Dazu gehören unter anderem die geplante Neuordnung und Aufwertung des Bahnhofsvorplatzes, neue Mobilitätsangebote, die Weiterentwicklung des Parkraumkonzepts sowie die Entwicklung des ehemaligen Heraeus-Quarzglas-Areals. Hier sollen perspektivisch unterschiedliche Nutzungen möglich werden und bestehende Industriearchitektur teilweise erhalten bleiben. Der demnächst beginnende Bau des modernen „Haus rund um das Erwerbsleben“ ist ein weiterer wichtiger Baustein der Entwicklung rund um den Hauptbahnhof.

Hintergrund: Städtebauförderprogramm „Wachstum und Nachhaltige Erneuerung“

Das Förderprogramm „Wachstum und Nachhaltige Erneuerung“ (WNE) des Landes Hessen und des Bundes unterstützt Kommunen dabei, den Herausforderungen des Strukturwandels und demografischer, wirtschaftlicher und klimatischer Veränderungen aktiv zu begegnen. Im Fokus stehen unter anderem die Reaktivierung ungenutzter Flächen, die Sanierung von Bestandsgebäuden sowie Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung, dazu zählen die Schaffung hochwertiger Grünflächen und eine bessere Gestaltung des öffentlichen Raums als Bestandteile des Städtebauförderprogramms. Das Land Hessen und der Bund gewähren Zuschüsse in Form einer Anteilfinanzierung.

Pressekontakt:
Stadt Hanau, Dominik Kuhn

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Quelle: Stadt Hanau

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