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Neues Angebot hilft heraus aus der Mediensucht

Wenn das dauernde Onlinesein zum Problem wird: Kreis und Caritas beraten, begleiten und helfen Menschen mit problematischem Medienkonsum

Main-Kinzig-Kreis. – Nachrichten schreiben, noch ein paar Schuhe kaufen und schnell nach dem Wetter gucken: Immer mehr Dinge werden oft beiläufig digital erledigt. Die vielen Kleinigkeiten können sich schnell summieren. Im Durchschnitt verbringt der Deutsche rund drei Stunden täglich am Smartphone, Erwachsene wie auch Jugendliche. „Was für die meisten Menschen einfach zum Alltag gehört, kann für manchen aber auch problematisch werden“, weiß Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Susanne Simmler. „Medienkonsum kann derart ausufern, dass er den Alltag überlagert, zu gravierenden Verhaltensveränderungen führt und letztlich krank macht. Ohne digitale Medien ist heutzutage vieles nicht mehr denkbar, klar. Aber es kommt auf den reflektierten und eben auch wohldosierten Umfang an.“ Ein neues Beratungsangebot im Caritas-Zentrum Gelnhausen, im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises, gibt nun Rat bei problematischem Medienkonsum, „denn das eigene Erkennen des Problems und das leichte Hilfe-Holen sind die ersten Etappen heraus aus der Mediensucht“, so Simmler.

Die Verlockungen der digitalen Welt sind groß, und damit die Gefahren für das eigene Wohlergehen. Das weiß auch Sozialarbeiter Lucas Holz, der bei der Caritas in Gelnhausen nun zu diesem Thema berät. Der 30-Jährige kennt den Reiz, den die digitalen Medien ausüben. Er ist nicht nur mit ihnen aufgewachsen, sondern hat sich auch fachlich mit den Hintergründen und Funktionsweisen digitaler Medien auseinandergesetzt. In seinem Studium im Bereich Soziale Arbeit legte er seinen Schwerpunkt auf die psychosoziale Beratung bei exzessiver Mediennutzung und absolvierte eine Fortbildung für das Programm „The Quest“, das darauf zielt, das Bewusstsein für die eigene Mediennutzung zu schärfen, damit eine Reduktion des (problematischen) Konsums gelingen kann.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler freut sich, dass Lucas Holz nun anderen hilft, deren Mediennutzung in Medienabhängigkeit abgedriftet ist. „Bei Medienabhängigkeit sollten wir nicht das Klischee des computerspielenden jungen Manns im Kopf haben. Frauen und Männer weisen nahezu gleich häufig internetbezogene Störungen auf. Und deutlich mehr Männer als Frauen nutzen bereits die Beratungs- und Behandlungsangebote. Diese Angebote sollten wir deshalb insgesamt mehr in die Fläche bringen“, so Simmler. Die Beratung im Caritas-Zentrum Gelnhausen, die auf Initiative des Main-Kinzig-Kreises entstanden ist, komme da gerade recht.

Die Eigenschaften der digitalen Welt machten Übergange in eine exzessive Nutzung leicht und fließend, so Simmler und Holz. Hinter den oft spielerisch daherkommenden Games, Apps und sozialen Netzwerken können sich viele psychosoziale Mechanismen verbergen, die das Verhalten bewusst beeinflussen. „Die Reiz-Reaktions-Mechanik ist erst mal äußerst simpel“, so Holz. „Ich klicke und fühle mich gut. Für unser Gehirn ist das ein purer Glücksmoment.“ Und dieses simple Muster sei es, das den Sog ausmache. Mit der einsetzenden Gewöhnung brauche man dann unter Umständen immer mehr davon. Ganz so, wie bei anderen Suchtmitteln auch. Anders als bei Alkohol und Co. ist es bei den Medien aber nicht möglich, diesen aus dem Weg zu gehen: Die Digitalisierung schreitet voran, in Alltag, Schule und Beruf sind Smartphones und Computer nicht mehr wegzudenken.

Für die meisten Menschen sei es kein Problem, maßvoll damit umzugehen, wie Ingo Bischoff, der Leiter der Beratungsdienste des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis, feststellt. „Dennoch zeigen Studien deutlich, dass die Zeit, die wir vor dem Bildschirm verbringen, immer mehr wird.“ Verstärkt durch Corona: Laut einer Studie der DAK habe die Mediennutzung während der Pandemie noch einmal um bis zu 75 Prozent zugenommen.

Auch das Amt für Gesundheit und Gefahrenabwehr des Main-Kinzig-Kreises hat diese Entwicklung kritisch im Auge. Schon 2019 entstand deshalb die Idee, ein neues Beratungsangebot für die Menschen in der Region zu schaffen, die das Gefühl haben, ihr Mediennutzungsverhalten könnte aus dem Gleichgewicht geraten sein. Corona hat das Vorhaben etwas ausgebremst; das neue Angebot startet nun aber direkt durch. „Jeder, der das Gefühl hat, er könnte hier einmal Rat brauchen, ist willkommen“, sagt Lucas Holz. Ganz gleich, ob selbst betroffene Person oder Angehöriger.

Gerade in Familien spiele das Thema Mediennutzung eine große Rolle, wie der Fachmann weiß. „Die besondere Herausforderung für viele Eltern ist es, den Kindern den Umgang mit etwas beizubringen, das es in ihrer eigenen Kindheit und Jugend noch gar nicht oder zumindest nicht in diesem Ausmaß gab“, so Holz. Ob Kinder oder Erwachsene: Die Frage sei stets, mit welchem Ziel man die Medien nutze. Eins haben laut Holz alle gemeinsam: „Es geht immer auch um Belohnung.“

In den Einzelgesprächen wird im Caritas-Zentrum jeweils die persönliche Ausgangslage in den Blick genommen. Das Angebot ist für Bürgerinnen und Bürger des Main-Kinzig-Kreises kostenlos. Interessierte können ohne Termin in die offene Sprechstunde der Fachambulanz für Suchtkranke kommen, montags 13 bis 15 Uhr, im Caritas-Zentrum Gelnhausen, Herzbachweg 65, oder telefonisch unter der Nummer 06051 92450 einen Termin vereinbaren.

Ein Tipp des Experten Lucas Holz für den Alltag: „Hinterfragen.“ Wenn der Finger im News Feed einfach immer weiter scrollt, obwohl man eigentlich gar nicht mehr weiß, warum, lohnt ein ehrlicher Blick auf das eigene Verhalten. „Da könnte man einmal innehalten, in sich hineinhorchen und sich fragen: Was bringt mir das gerade eigentlich?“

Bildunterschrift: „Die Zeit, die wir vor dem Bildschirm verbringen, wird immer mehr“: Lucas Holz vom Caritas-Zentrum.

Quelle: Main-Kinzig Kreis

 

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