Nino Allert

Nino Allert

Austellung : Drauf geschissen 2.0

Werbung:

Ausstellung beleuchtet das stille Örtchen im Wandel der Zeit – Werkstätten, Führungen und Grimmelshausens Bezug zum Toilettenpapier

„Drauf geschissen 2.0“ – Ein wohl nicht alltäglicher Titel für eine Ausstellung in einem Museum. Der Untertitel schafft Klarheit: „Eine kleine Kulturgeschichte des stillen Örtchens“. Die Geschichte des Toilettengangs spiegelt eindrucksvoll die Lebens- und Erlebenswelten der Menschen verschiedenster Epochen wider. Und es gibt natürlich auch in der Barbarossastadt Gelnhausen jede Menge Verbindungen zur Historie des „locus necessitatis“, dem Ort der Notdurft. Sogar in Grimmelshausens Werk lässt der berühmte Barockdichter seinen Simplicissimus Zwiesprache mit dem Toilettenpapier seiner Zeit halten. All das und noch mehr erfahren Interessierte in der Wanderausstellung von Schlösserland Sachsen, die vom 10. September bis zum 30. Oktober im Museum der Stadt Gelnhausen zu sehen ist. Natürlich wird sie um Ausstellungsstücke aus der Region und Gelnhäuser „Klogeschichten“ aus vielen Jahrhunderten ergänzt. Zudem wird ein Rahmenprogramm mit Werkstätten, Führungen, mit einem ganz speziellen Klohäuschen und mehr geboten. Und wer möchte, kann sogar fäkalischem Humor auf die Spur kommen…

Das „Stille Örtchen“ nimmt thematisch eine enorme Bandbreite ein. Der Bogen spannt sich von den antiken Hochkulturen bis in die heutige Zeit. Und die Geschichte des Toilettengangs wirft zwangsläufig auch ein Streiflicht auf die Körperhygiene im Wandel der Zeit. Gelnhausens berühmter Barockdichter Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen widmet sich in einem Kapitel seines Werkes „Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch“ ebenfalls dem Toilettengang, insbesondere aber dem Toilettenpapier. Im betreffenden Kapitel lässt Grimmelshausen seinen naiven und lebensfrohen Helden Simplicius Simplicissimus bei einem wohlhabenden Bürger in Schaffhausen unterkommen. Morgens will Simplicissimus seine Notdurft verrichten, und weil er sich eben bei einem wohlhabenden Bürger befindet, gibt es in dessen Haus eine private Toilette. Und dort gibt es Schermesser, zugeschnittene Altpapierstücke, die griffbereit neben dem Klo liegen, damit sich der Nutzer nach Beendigung des Geschäftes entsprechend reinigen kann. Als sich Simplicissimus ein solches Schermesser greift, beginnt der scheinbar wertlose Fetzen Papier zu sprechen und begehrt gegen sein Schicksal auf. Auf keinen Fall will er – der Fetzen – achtlos in einer Sickergrube landen. Mit mitleiderregender Wortwahl zeichnet das Klopapier der Barockzeit seinen beschwerlichen und unwürdigen Lebenslauf nach. Das Stück Papier will verhindern, als das genutzt zu werden, zu dem es nun einmal bestimmt ist. Doch seine Verteidigungsrede nützt ihm nichts…Klaus Puth hat die Schermesser-Szene mit einer Zeichnung illustriert, die zum Schlüsselbild der Werbekampagne für die Ausstellung „Drauf geschissen 2.0“ wurde. In der Sonderausstellung „Drauf geschissen“ lernen die Besucher:innen die Schermesser-Episode des abenteuerlichen Simplicissimus besser und auf besondere Weise hautnah kennen…

Die Geschichte des stillen Örtchens streift also viele Interessensgebiete. Immer wieder fasziniert beispielsweise die Infrastruktur der Abwasserbeseitigung in römischen Großstädten. Eine eher attraktive Hässlichkeit besitzt aus heutiger Sicht hingegen die Vorstellung, wie Menschen im Mittelalter, in Burgen, Dörfern und Städten ihre Notdurft verrichteten. Die Sonderausstellung beleuchtet darüber hinaus auch Reinlichkeit und Hygiene in der Antike, die Pracht der Latrinen in Rom, den Verfall einstiger Hochkulturen in der Epoche des Mittelalters und die organisierte Entsorgung der Fäkalien im 19. Jahrhundert, dem Zeitalter der Industrialisierung. Zu den Exponaten werden Nachttöpfe, Toilettenstühle, Toilettenpapierrollen mit Alleinstellungsmerkmal, Postkarten, Gülleschöpfer, Schilder, Bilder und vieles mehr gehören.

Die Ausstellung ist Dienstag bis Donnerstag und Sonntag von 10.30 Uhr bis 18 Uhr sowie Freitag und Samstag von 10.30 Uhr bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 7 Euro pro Person (ermäßigt 6 Euro) inklusive Museumseintritt. Kinder bis 16 Jahre zahlen keinen Eintritt. Sonderöffnungszeiten für Gruppen sind möglich; bitte in der Tourist-Info, Obermarkt 8, anfragen (Telefon 06051 830_300, – 301; E-Mail tourist-information@gelnhausen.de)

Rahmenprogramm:

(Anmeldungen und Tickets in der Tourist-Info; alle Führungen sind auch individuell buchbar):

Erlebnisführung „Könige der Nacht“:

10. September 16 Uhr und 18 Uhr; Treffpunkt Rathaus

Themenführung „Von Abwasser bis Zisterne“:

1.    Oktober 16.30 Uhr, Treffpunkt Museumshof

Führung durch die Ausstellung:

15. September, 18 Uhr; 22. September, 18 Uhr; 23. September, 19 Uhr; 29. September, 18 Uhr; 6. Oktober, 18 Uhr; 13. Oktober, 18 Uhr; 20. Oktober, 18 Uhr; 21. Oktober, 19 Uhr; 28. Oktober, 19 Uhr; Treffpunkt ist jeweils der Museumshof.

Führung durch die Ausstellung mit Klofrau Lieselotte:

14. Oktober, 19 Uhr; 27. Oktober, 18 Uhr; Treffpunkt ist der Museumshof

Führung durch die Ausstellung mit Klomann Werner C. Frisch:

16. September, 19 Uhr; 7. Oktober, 19 Uhr; Treffpunkt ist der Museumshof

Vortrag:

Dr. Florian Werner, „Die dunkle Materie“, 30. September, 19 Uhr, Kulturherberge

Werkstatt – Klorollenverstecker häkeln:

15. September, 15 Uhr; 21. September, 15 Uhr; 12. Oktober,15 Uhr; Treffpunkt Museum, 2. OG.

Werkstatt – Klorollenverstecker nähen:

29. September, 15 Uhr; 6. Oktober, 15 Uhr; 18. Oktober, 15 Uhr; Treffpunkt Museum, 2. OG

Weitere Werkstätten:

Werkstatt – Reinigungspads: 24. Oktober, 10 Uhr; Werkstatt – Kosmetikmäppchen 25. Oktober, 10 Uhr; Werkstatt – Kosmetik 26. Oktober, 10 Uhr; Werkstatt – Utensilos 27. Oktober, 10 Uhr; Werkstatt – Basteln mit Klorollen jeden Sonntag ab 14 Uhr (kostenfrei). Treffpunkt ist jeweils das Museum, 2. OG.

Nähere Informationen auch unter www.gelnhausen.de/museum.

Fotos: Simplicissimus Klo: Das Schlüsselbild der Sonderausstellung in Gelnhausen: Grimmelshausens Simplicius Simplicissimus im Gespräch mit dem sogenannten „Schermesser“, dem Toilettenpapier der Barockzeit; im Grunde ein zurechtgeschnittenes Stück Altpapier.

Drauf geschissen Werkstätten: In Häkel- und Nähwerkstätten entstehen unter anderem lustige und dekorative Klorollenverstecker,

Plakat: 

Main Kinzig Echo MKK Nachrichten Drauf geschissen Plakat 2

Diesen Beitrag teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
Email
WhatsApp

Werbung: