Jannik Trunk

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Wie eine große Familie DRK betreut Geflüchtete in Bad Orb

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Bad Orb. 95 Geflüchtete aus der Ukraine, darunter 40 Kinder, leben derzeit in einem ehemaligen Hotel in Bad Orb. Dort haben sie eine sichere Zuflucht gefunden. Der DRK Kreisverband Gelnhausen-Schlüchtern hat im Auftrag des Main-Kinzig-Kreises die Betreuung dieser Menschen übernommen. Bisher wurde diese Aufgabe vorrangig ehrenamtlich gestemmt. Ab 01. Mai wird die Unterkunft von hauptamtlichen Kräften übernommen, die eigens dafür eingestellt wurden.

 

Von Beginn an arbeitet Kreisbereitschaftsleiter Matthias Günther als Campleiter. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Weitere ehrenamtliche Kräfte sind rund um die Uhr vor Ort, um die Geflüchteten zu betreuen. Veronika Glaser unterstützt als hauptamtliche Kraft und wird die Leitung ab Mai übernehmen. Sie kümmert sich um alle Belange der Bewohner und übersetzt ihre Anliegen. Es gibt viel zu erledigen: Behördengänge, Arztbesuche, Einkäufe, regelmäßige Corona-Tests, Treffen mit allen Bewohnern, Einzelgespräche. Wo Veronika Glaser nicht dabei sein kann, hilft der Google-Übersetzer. Einige Geflüchtete sprechen zudem Englisch, das erleichtert die  Kommunikation. Die Altersstruktur reicht von vier Monaten bis hin zu 86 Jahren, da gibt es ganz unterschiedliche Anliegen. Viele der Menschen wollen gerne arbeiten und warten auf die Erlaubnis.

„Die Gemeinschaft funktioniert sehr gut“, stellt Matthias Günther fest. Die Geflüchteten sind in Bad Orb gut untergebracht. Die meisten Zimmer haben ein eigenes, kleines Bad, viele auch einen Balkon. Der Park liegt direkt vor der Haustür, alle Nachbarn haben die Menschen aus der Ukraine freundlich und unterstützend aufgenommen. Die Bewohner übernehmen verschiedene Aufgaben, Wochenpläne werden festgelegt. Inzwischen sind alle bei der Stadt angemeldet. Mit der Sammelstelle für Sachspenden des DRK Hanau und der Unterkunft im Jugendzentrum Ronneburg gibt es gute Kontakte. Alle helfen sich untereinander. Im früheren Schwimmbad des ehemaligen Hotels wurde ein „Supermarkt“ eingerichtet. Dort werden alle Sachspenden von Ehrenamtlichen sortiert und zu bestimmten Zeiten zur Verfügung gestellt. Die Palette reicht von Kleidung über Babynahrung bis hin zu Kinderfahrrädern.

Jeden Mittwoch treffen sich alle im ehemaligen Speisesaal, der auch jetzt als großes „Esszimmer“ dient. Dann werden alle anstehenden Dinge besprochen. „Hier sehen sich alle als große Familie“, betont der Campleiter. „Alle sind froh, dass sie hier sind.“ Es gibt viele Hilfsangebote, auch psychologische Betreuung. Die meisten Bewohner haben eine Odyssee mit vielen Stationen hinter sich gebracht, bevor sie in Bad Orb ein Zuhause auf unbestimmte Zeit gefunden haben. Die 29jährige Irina hat mit ihrem Mann und den zwei Kindern in der Nähe von Kiew gelebt. Sie erzählt, dass zu Beginn des Krieges nur gelegentlich Schüsse zu hören waren. Dann rückten die Kampfhandlungen näher, es waren viele Sirenen zu hören. Irinas Ehemann wurde zum Militär verpflichtet. Die Buchhalterin machte sich mit den Kindern auf den Weg, der über Rumänien, Frankfurt am Main, Alsfeld, Gießen und Birstein schließlich nach Bad Orb führte. Zehn Tage lang war sie mit ihren Kindern unterwegs.

Auch Katja stammt aus der Nähe von Kiew. Sie hat mit ihrer Familie 16 Tage lang in einem Keller gelebt. Als Raketen ins Nachbarhaus einschlugen, entschlossen sich Katja und ihr Mann, das Land zu verlassen. Zur Familie gehören achtjährige Zwillinge und ein drei Monate altes Baby. Wegen der Kinder erhielt der Ehemann die Genehmigung, seine Familie zu begleiten. Mit dem eigenen Auto brachen alle fünf in Richtung Polen auf, wo sie privat übernachten konnten. Dann fuhren sie weiter nach Berlin, um sich dort registrieren zu lassen. Mit einem Bus reisten sie weiter nach Gießen in die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung. Von dort ging es weiter in eine Turnhalle nach Nidda, dann zurück nach Gießen und schließlich nach Bad Orb. Wenn die beiden Frauen erzählen, merkt man ihnen an, wie sehr die Situation sie bewegt. Dennoch haben sie es geschafft, sich in Sicherheit zu bringen. Die Familien sind dankbar, dass sie hier untergebracht sind. „Noch nie haben wir so eine Unterstützung erlebt“, macht Katja deutlich. Im ehemaligen Spessarthotel können sie zur Ruhe kommen und versuchen, ihren Alltag so normal zu leben, wie es unter den gegebenen Umständen möglich ist. Die Mitarbeiter des DRK unterstützen sie dabei  nach Kräften.

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