Jannik Trunk

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Es gibt noch viel zu tun – Chancengleichheit bleibt wichtiges Anliegen

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Veranstaltungen im Main-Kinzig-Kreis zum Internationalen Frauentag am 8. März

Main-Kinzig-Kreis. – Jährlich am 8. März, dem Internationalen Frauentag, wird die Lebens- und Arbeitssituation von Frauen weltweit und auch in Deutschland beleuchtet. Angebote für berufliche Weiterbildungen, Kulturveranstaltungen und Dialoge unterstreichen auch im Main-Kinzig-Kreis die Forderung nach Chancengleichheit für Frauen. „Kürzlich erregte ein Foto eines Mittagessens am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz großes Aufsehen. Rund 30 Chefs von Wirtschaftsunternehmen kamen zum Arbeitsessen zusammen. Drehen wir die Gleichstellungsdiskussion einmal weiter in Richtung Sprache: hätten wir kein Foto vor Augen, hätte man leicht sagen können: ist doch klar, wenn von Chefs die Rede ist, sind auch die weiblichen Chefs mit gemeint. Aber das dazugehörende Foto sprach Bände, denn hier saßen ausschließlich Männer am Tisch“, erklärt Grit Ciani, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Main-Kinzig-Kreises.

„Frauen dürfen in vielen Ländern der Erde wählen, arbeiten, ihre Meinung sagen, sich frei bewegen, Auto fahren, ein eigenes Konto haben und entscheiden, mit wem und wie sie ihr Leben verbringen möchten. All das sind heute selbstverständliche Errungenschaften, die sich vorhergehende Frauengenerationen hart erkämpfen mussten“, erläutert Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler und ergänzt: „Mädchen und junge Frauen in Deutschland machen die besseren Schulabschlüsse und haben die Chance auf eine gute Ausbildung. Aber aus meiner Sicht bleibt noch mehr zu tun als wir vielleicht vor 10 Jahren gedacht hätten. Auch wenn wir 16 Jahre eine Frau als Bundeskanzlerin hatten, auch wenn jetzt eine Frau Außenministerin ist – es geht nicht um das ganz große Ding. Es geht um den Alltag, die Lebenswelt von so vielen Frauen. Wo sind die gut ausgebildeten Frauen, wenn es darum geht, wer an den Entscheidungstischen der Wirtschaft und in den Parlamenten sitzt? Wie kann es sein, dass von 30 Wirtschaftsunternehmen nicht ein einziges eine Frau an der Spitze in dieses Mittagessen entsenden konnte?“, fragt Susanne Simmler.

Wichtig sei dabei, dass es nicht immer nur um Chefposten gehe, sondern vielmehr einfach darum, gleiche Rechte, gleiche Chancen zu haben. „Es kann dabei auch einfach nur darum gehen, ob die Frau oder der Mann das Projekt machen darf, ob der Mann oder die Frau in den Außendienst fährt oder die Schicht leitet – natürlich immer bei gleicher Qualifikation“, so Susanne Simmler weiter.

„Frauen starten mit den gleichen Voraussetzungen in die Berufswelt, schaffen es aber vielfach nicht, sich so zu positionieren, dass auch kürzere oder längere Auszeiten – wie zum Beispiel Schwangerschaften – eine Rückkehr auf gleiche Positionen in der Verantwortung ermöglichen. Und es geht darum, dass zum Beispiel die männliche Sichtweise weiterhin dominiert, wenn es darum geht, Konflikte zu lösen, diese ist stark männlich ritualisiert und machtorientiert und oft wenig teamorientiert. Meine Erfahrung ist, dass das häufig wenig zielführend ist, aber dafür sehr anstrengend, bei seinem eigenen Weg zu bleiben. Auf all das machen wir anlässlich des Internationalen Frauentages aufmerksam. Es geht um Macht, gerechte Bezahlung, zeitliche Ressourcen, die Frage der Carearbeit in Familien, Zugang zu Netzwerken, die enorm wichtig für das Berufsleben sind. Aber es geht auch darum, überholte Rollenbilder im Kopf zu überwinden, es nicht als normal anzusehen, wenn Runden ausschließlich aus Männern bestehen – und da ist es egal, ob wir von der großen Politik in Berlin sprechen oder von Gesprächsrunden hier in unserer Region“, betont Susanne Simmler.

Sie ruft dazu auf, nicht nachzulassen, wenn es darum geht, sich für die Gleichwertigkeit einzusetzen. „Und ich finde auch, dass wir Frauen uns nicht sagen lassen müssen, dass es doch jetzt mal gut ist und es doch wirklich Wichtigeres gäbe. Stimmt, es gibt gerade tagesaktuell wirklich Wichtigeres, aber für die Hälfte der Bevölkerung zählt es eben doch zu den grundlegenden Zielen, nicht nur geduldet zu sein, wenn niemand anderes da ist oder es sich gut macht, auch eine Frau mit an Bord zu haben. Es geht um echte Chancengleichheit. Hierfür bedarf es der strukturellen Voraussetzungen in Wirtschaft, Familie, Gesellschaft, Sport, Politik und Religion. Veränderungen müssen deshalb konsequent eingefordert werden, damit sie auch umgesetzt werden.“

„Stereotype Vorstellungen von geschlechtlicher Identität, sexueller Orientierung und Rollenverteilungen bilden leider auch heute noch den Nährboden von Benachteiligung. Dabei betreffen die ökonomischen und persönlichen Auswirkungen alle Geschlechter, wenn es um die Frage geht, wie sie leben wollen“, erklärt Grit Ciani. Denn eines sei klar: „In der heutigen Zeit wollen auch Männer mehr am Familienleben teilhaben, Zeit mit ihren Kindern verbringen, für Angehörige da sein, also ,typische‘ Frauenberufe in den Bereichen Dienstleistung und Sozialem ausüben. Oder sie wollen nicht zwangsläufig in die Verantwortung als Ernährer gedrängt werden“, erklärt die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte.

Dabei sei es wichtig, den Blick nicht nur auf Deutschland zu richten, sondern auch auf Länder, in denen Frauen rechtlich immer noch nicht gleichgestellt seien und in denen ihnen der Schulbesuch verwehrt wird, sie zwangsverheiratet und genitalverstümmelt werden. „Ich glaube, dass wir Frauen uns  am 8. März nicht nur Applaus, Blumen und viele Worte gerade von Männern wünschen. Wir Frauen wollen reale Gleichberechtigung ohne Bedingungen und andauernde Diskussionen erleben. Wir möchten selbstbestimmt unser Leben gestalten und körperlich unversehrt bleiben. Und wir wollen mit unseren Familien in Frieden leben. Das gilt für alle Frauen weltweit“, betont Susanne Simmler, gerade auch mit Blick auf den Krieg in der Ukraine. „Es ist kaum absehbar, wie sich die Situation insbesondere für die Frauen und die Kinder in dieser Krisenregion entwickeln wird. Durch den brutalen Überfall Russlands auf die Ukraine wurden Familien auseinandergerissen oder haben durch die Bombardierung vielleicht sogar ihr Leben verloren“, erklärt Susanne Simmler.

Im Main-Kinzig-Kreis wird es rund um den 8. März Veranstaltungen von und für Frauen geben. Zahlreiche Akteure und Akteurinnen in den Städten und Gemeinden unterstützen die Bewegung. Das Kino Gelnhausen zeigt am Dienstag, 8. März, um 20.30 Uhr den Film „Die göttliche Ordnung“ mit anschließendem Foyer-Talk über Frauen in Parlamenten. Zu Gast ist Bürgermeisterin Monika Böttcher aus Maintal und das Archiv Frauenleben gibt an einem Büchertisch historische Einblicke. Am Freitag, 11. März, um 13.30 Uhr lädt der Main-Kinzig-Kreis gemeinsam mit der Coachin Carina Hilfenhaus zu einer Frauenwanderung mit Outdoor-Seminar „Frauen in Bewegung“ ein. Treffpunkt ist der Parkplatz am Hufeisen in Linsengericht. Anmeldungen und besondere sportliche Voraussetzungen sind nicht erforderlich.

Das Referat für Frauenfragen und Chancengleichheit des Main-Kinzig-Kreises lädt außerdem zu einem ganz besonderen innovativen Weiterbildungsprogramm für Wiedereinsteigerinnen und Frauen, die sich beruflich neu orientieren wollen ein: „Female Empowerment im Main-Kinzig-Kreis“ heißt ein Programm, welches alle Frauen ortsunabhängig, zeitlich flexibel und kostenfrei zur Verfügung steht. In einer digitalen Auftaktveranstaltung am Mittwoch, 9. März, von 10 bis 13 Uhr sind alle Interessierten eingeladen, sich über das Weiterbildungsprogramm zu informieren. Die Anmeldung für das Coaching ist auch unabhängig von der  Auftaktveranstaltung jederzeit möglich. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.berufswege-fuer-frauen.de oder unter Telefon (0611) 590299.

 

Bildunterschrift: Erste Kreisbeigeordnete Suanne Simmler (links) und Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Grit Ciani machen auf die Veranstaltungen rund um den Internationalen Frauentag am 8. März aufmerksam. Ziel ist es, die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen zu verbessern.

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