Joachim Laatz

Redaktion

Besser über der Tür als im Baum

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Misteln verbreiten sich stark und gefährden die Bäume auf den Maintaler Streuobstwiesen

Der Kuss unter dem Mistelzweig ist ein beliebter Weihnachtsbrauch. Damit über die Festtage in Maintal niemand ungeküsst bleiben muss, verkaufte der Landschaftspflegeverband (LPV) Main-Kinzig-Kreis die Zweige am Tag vor Heiligabend gegen eine Spende auf dem Hochstädter Wochenmarkt. Das Angebot wurde so positiv angenommen, dass schon vor Verkaufsende feststand, dass die Aktion auch im kommenden Jahr stattfinden soll.

Die Spenden kommen dem Verband zugute, der mit der Abgabe der Zweige nicht nur eine schöne Tradition sicherte, sondern auch auf die Schattenseiten eines starken Mistelbefalls aufmerksam machte. Denn die Mistel ist ein Halbschmarotzer, der seinem Wirt Wasser und Nährstoffe entzieht. Breitet sich die Pflanze ungehindert aus, kann der befallene Baum so stark geschwächt werden, dass er abstirbt. „Aufgrund der vielerorts mangelnden Pflege von Streuobstwiesen und dem fehlenden Obstbaumschnitt konnte sich die Mistel in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr stark in Streuobstbeständen ausbreiten. Die Klimaveränderungen sowie die Schwächung der Apfelbäume durch Hitze- und Trockenstress tragen zusätzlich zur Verbreitung der Mistel bei“, berichtet Mascha Werth vom LPV.

Auf den Maintaler Streuobstwiesen sei der Befall stellenweise besorgniserregend. „Von etwa 3.800 vom Landschaftspflegeverband kartierten alten Apfelbäumen sind etwa zwölf Prozent von Misteln befallen. Von den 450 befallenen Bäumen sind etwa 200 alte Apfelbäume so stark befallen, dass diese eigentlich nur noch gefällt werden können“, erläutert Werth. Im Rahmen eines Arbeitseinsatzes zusammen mit den Grundstückseigentümer*innen und freiwilligen Helfer*innen wurden am 19. Dezember alte Apfelbäume von Misteln befreit. Diese Zweige bot der LPV zum Kauf an, um damit seine Projektarbeit finanziell zu unterstützen. Denn die Mistel steht entgegen einer weit verbreiteten Annahme nicht unter Naturschutz. Lediglich eine kommerzielle Sammlung bedarf einer Genehmigung.

Eine für den Wirtsbaum schonende Entnahme ist dagegen nicht nur erlaubt, sondern erforderlich – ebenso wie die Pflege der Obstbäume mit einem regelmäßigen Rückschnitt. Nur so lassen sich die einzigartigen Streuobstwiesen dauerhaft gesund erhalten. „Als Stadt kooperieren wir seit vielen Jahren eng und erfolgreich mit dem Landschaftspflegeverband. Schließlich prägen die weitläufigen Streuobstwiesen Maintals Identität und dienen als beliebtes Erholungsgebiet. Zudem ist die einzigartige Kulturlandschaft Lebensraum für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten“, so Bürgermeisterin Monika Böttcher, die den Mistelverkauf für den guten Zweck mit angeregt hatte.

Neben der Pflege der Obstbäume durch Eigentümer*innen, Pächter*innen und den Maintaler Arbeitskreis „Streuobst“ führt der Landschaftspflegeverband im Zuge des Projekts „Lebensraum Streuobst Maintal“ die Sanierung von Altbäumen inklusive der Entfernung von Misteln, Neupflanzungen und Entbuschungsarbeiten aus. Ab Januar/ Februar 2022 werden in Bischofsheim und Hochstadt knapp 300 Altbäume und einzelne Jungbäume durch eine Fachfirma geschnitten. In dieser Zeit finden auch Entbuschungsarbeiten statt, sofern Schnee und Dauerregen dem nicht entgegenstehen. Die zu schneidenden Bäume wurden bereits farblich markiert. Die unterschiedlichen Symbole deuten dabei auf einen unterschiedlichen Schnittaufwand hin, nicht aber auf eine Fällung von Bäumen. Die Arbeiten werden in den Folgejahren fortgesetzt.

Ein Kontakt zum Landschaftspflegeverband Main-Kinzig-Kreis ist möglich unter Telefon 06059 9069601 oder per E-Mail an info@lpv-mkk.de.

Quelle: Stadt Maintal

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