Jannik Trunk

Saisonabschluss der Büdesheimer Schlosskonzerte

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Eine Zeitreise mit Blockflöte und Gitarre vom Wiener Salon zum Brasilianischen Choro

Die Saison 2021 der Büdesheimer Schlosskonzerte ging mit einem Konzert des belgischen Blockflötisten Jan Van Hoecke und des andorranischen Gitarristen Albert Pià Comella zu Ende. Die ev. Andreaskirche Büdesheim bot den stimmungsvollen Rahmen für die beiden Professoren, die sich beim Fussballspielen in der Schweiz kennenlernten und seit 2013 gemeinsam konzertieren. Während Albert Pià Comella am Conservatoire de musique Neuchâtel unterrichtet, bekleidet der Büdesheimer Neubürger Jan Van Hoecke eine Professur für Blockflöte an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst.

Blockflöte? Vielfach kommen Erinnerungen aus der Schulzeit hoch. Musikunterricht in der Schule beinhaltete seit den 1950-er Jahren klassenweises Erlernen der Sopranflöte, deren heller Klang hat vielen das Instrument verleidet. Heute häufig als Kinderspielzeug verkannt, kämpft die Blockflöte um ihr Überleben.

Wer das Schlosskonzert besuchte, konnte die Blockflöte auf dem Platz erleben, der ihr gebührt: Ein hochvirtuos spielbares Blasinstrument, durch verschiedene Größen und professionelles Können variabel in Stilistik und Klangfarbe. So eröffneten die Künstler das Konzert mit Ernst Krähmers Adagio et Rondeau Brilliant op. 14 für Csakan und Gitarre. Der Klang des Csakan, einer Blockflöte in tiefer Sopranlage, ist eher weich, das Instrument ist mit mehreren Klappen versehen. In den Wiener Salons der Biedermeierzeit war der Csakan beliebt, gerne verlegte man gemeinsames Musizieren in die Natur und nutzte den Csakan mit passenden Aufsätzen als Spazierstock. Als Pendant zum Csakan verwendete Albert Pià Comella eine romantische Gitarre, mit kleinerem Korpus und schlankerer Tongebung ausgestattet als moderne Instrumente. Sein meisterliches Spiel, in zwei Etüden von Fernando Sor auch solistisch erlebbar, fiel durch einen besonders weichen Anschlag auf. Zwei Variationssätze, zunächst über das Volkslied „Gestern Abend war Vetter Michel da“ von Carl Scheindienst und danach über „das“ bekannte Thema von Niccolo Paganini ließen mit ihren Etüden in verschiedenen Taktarten, Tempi und Modi die virtuose Meisterschaft Jan Van Hoeckes deutlich werden. Mit einem Rondo des Abbé Gelinek schloss der erste Konzertteil ab.

Nach der Pause schlugen beide Künstler mit Karel van Marckes zeitgenössischer „Impression“ für Csakan und Gitarre den Bogen zum brasilianischen Choro, einem Musikstil, der sich ab 1870 in Rio de Janeiro als Mischung europäischer und afrikanischer Musik bildete. Danach wechselte Albert Pià Comella zur modernen Gitarre und interpretierte die bekannte Milonga von Jorge Cardoso, ein melancholisches und nachdenkliches Werk, aus dem die fröhlichen, auf der Altflöte gespielten Stücke „Pe de Moleque“ (Samba Choro) und „Piazza Vittorio“ (Choro Maxixe) von Celso Machado herausführten. Zum Konzertabschluss interpretierte Jan Van Hoecke Walter Haberls Jazzstück „Alexander’s Latin“ in wahrlich atemberaubender Schnellig- und Leichtigkeit. Die auf der Tenorflöte gespielte Zugabe Machados beendete die Zeitreise vom Biedermeier nach Brasilien und das begeisterte Publikum spendete nicht enden wollenden Applaus.

Im Namen des Förderkreises Büdesheimer Schlosskonzerte und der Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden dankte Schulleiter Christoph Möller vor allem dem Publikum für seine Treue in der mittlerweile zweiten durch Corona stark beeinträchtigten Konzertsaison, in der zwei der fünf Veranstaltungen ausfallen mussten. Am 20. Februar 2022 soll mit der Pianistin Dejana Pejkovic im Dorfgemeinschaftshaus Oberdorfelden die neue Saison eröffnet werden. Wer ein besonderes Weihnachtsgeschenk sucht, sollte den Erwerb eines übertragbaren Abonnements in Erwägung ziehen. www.musikschule.online

Quelle: Musikschule Schöneck-Nidderau-Niederdorfelden

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